← Alle Folgen

Folge 25 · Psyche & Selbstbild · VorschauNeu

Sichtbar im Netz, vorsichtig auf der Straße

erscheint am 29. September 2026 29.09.2026 50:51 Min mit Fred

Diese Folge ist noch nicht erschienen. Ab dem 29. September 2026 gibt es sie hier zum Hören, mit Video und Transkript.

Cover der Folge 25: Sichtbar im Netz, vorsichtig auf der Straße

Worum es geht

Fred freut sich nach eigener Aussage „wahnsinnig“, wenn er zwei Männer oder zwei Frauen Hand in Hand sieht. Er selbst würde das mit seinem Partner Felix nicht tun — auch nicht in Hamburg, wo er seit neun Jahren lebt, auch nicht in Köln, auch nicht in Berlin. „Aus Angst“, sagt er. „Es ist bei Weitem nicht so akzeptiert, wie es akzeptiert sein sollte.“

Frederik ist 35, kommt aus Bamberg, arbeitet als Trainer und ist früh daran gewöhnt worden, mehr zu tun als andere. Die siebte und die neunte Klasse hat er wiederholt. In der zweiten Neunten hat es Klick gemacht; er wurde Einserschüler in Englisch, Deutsch und Rechnungswesen. In der Berufsschule tauchte er kaum auf, weil er den Stoff von der Wirtschaftsschule schon kannte — auf dem Zeugnis standen am Ende zwei entschuldigte Fehltage. In der Probezeit der Ausbildung wäre er fast rausgeflogen. Seine Ausbilderin sagte ihm, er müsse sich zusammenreißen, sonst übersteht er die Probezeit nicht. „Von dem einen auf den anderen Tag komplett verändert“, sagt Fred. „Einmal komplett change. Und so bin ich bis heute.“ Er hat bis heute Kontakt zu ihr.

Mit 18 outete er sich. Der Freundeskreis, der an seiner Ex-Freundin hing, wandte sich ab. Die Mutter sagte: „Du bist mein Kind, ich liebe dich wie du bist, ob du Männlein oder Weiblein magst.“ Seinen Vater hat Fred nie direkt angesprochen — er brachte irgendwann seinen ersten Freund nach Hause und stellte ihn vor. Der Vater hatte daran zu knabbern, hat Fred dann aber genommen, wie er ist. Ein Gespräch darüber hat nie stattgefunden. Am Ende der Folge fragt Thomas ihn, was sein Papa zum ersten Mal direkt von ihm hören soll.

Die Wohnung in Hamburg haben Fred und Felix im Jahr 2020 mit Masken im Gesicht gekauft. Geplant waren eineinhalb bis zwei Jahre bis zum Einzug. Es wurden dreieinhalb. Nach drei Monaten im neuen Zuhause stand die gesamte Wohnung unter Wasser — bis auf den Eingangsbereich war alles zerstört. Estrich, Böden, Wände, Fliesen mussten raus. Ein halbes Jahr in der HafenCity, dann zurück in die sanierte Wohnung, dann die Insolvenz des Bauträgers. Die letzte Rate bezahlten die beiden am 3. September 2026. „Jetzt gehört uns auch erst die Wohnung nach über sechs Jahren“, sagt Fred. Etwas Positives aus dem erzwungenen Auszug: Im halben Jahr HafenCity nahm er dreißig Kilo ab. „Als wir wieder zurückgekommen sind, war ich ein neuer Mensch von innen und von außen.“

Was ihn davon abhält, sich als Paar zu zeigen, sind neben der Angst vor allem die Blicke. Die gebe es sogar beim CSD, sagt er — nicht auf der Parade, aber in der Nebenstraße daneben. Beim CSD in Berlin war er in diesem Jahr nach eigener Schilderung knapp 200 Meter von dem Anschlag entfernt. „Und ich war mittendrin statt nur dabei“, sagt er. Wochenlang habe ihn das beschäftigt. Was aus seiner Sicht am meisten hilft, sind Menschen, die selbst nicht betroffen sind und trotzdem mitlaufen, mitfeiern, mitdemonstrieren.

Was die beiden durch die letzten Jahre getragen hat, beantwortet Fred ohne Pathos: „Wenn du hinfällst, musst du wieder aufstehen.“ Und: „Andere werden daran zerbrochen. Wir sind dadurch stärker geworden.“ An Zufälle glaubt er nicht. „Das hat einfach so sein sollen.“

Kapitel

Aus den Fragen im Gespräch abgeleitet.

Transkript

Das vollständige Transkript kommt kurz nach der Veröffentlichung dazu.