An der Wasserstelle stellen sich die Frauen nacheinander an, nie alle gleichzeitig, damit der Boden zwischendurch frisches Wasser nachliefert. Wer vorne steht, schöpft das klarere Wasser. Wer hinten steht, nimmt das mit, was dann noch übrig ist – dunkler, voller Blätter, mit Insektenlarven und Fäkalien von Affen und Elefanten. Belinda hat in dieser Reihe gestanden, in einer Maasai-Gemeinde in Kenia, im Februar dieses Jahres.
Sie ist 27, Mutter einer dreijährigen Tochter und in einem Familienunternehmen aufgewachsen. Die Foundation der Firma Cup&Cino finanziert seit knapp zehn Jahren Wasserprojekte, zunächst in Äthiopien, inzwischen auch in Kenia und Tansania; einmal im Jahr darf jemand aus der Familie eines der Projekte besuchen, dieses Mal Belinda und ihr Bruder. Finanziert wird das nicht über Spendenaufrufe, sondern über das Abrechnungssystem: Kunden können pro verkaufter Portion Kaffee ein bis zwei Cent an die Foundation abführen. 31.000 Menschen sind auf diesem Weg bisher an Wasser angeschlossen worden.
Im Gespräch mit Thomas Müller erzählt Belinda den Ablauf so, wie er war, und nicht so, wie er sich gut anhört. Den Gang zur Quelle, 2,5 Kilometer, neben Siebenjährigen, die ihre Kanister tragen, „als wäre es halt ihr Etui“. Den Rückweg mit 20 Litern an einem Lederriemen über der Stirn, bei 30 Grad, den viele aus der Gruppe nicht bis ins Dorf durchhielten. Das schlechte Gewissen beim Schöpfen: „Und ich hab mir einfach nur eingeredet, die kochen das ab, die kochen das ab, die kochen das ab. Dann hab ich mich über die Schulter gedreht und sehe einfach wie eine durstig von dem 3 km Weg dahin, das einfach trinkt vor Ort.“
Am nächsten Tag stand sie in einer anderen Gemeinde vor einem Bohrloch, das zum ersten Mal durchgespült wurde, mit 600 Kindern im Schlamm. Einen Tag später in einer dritten, in der seit zwei Monaten ein Brunnen steht: Kinder mit Schulbüchern, Frauen an einem Wasserkiosk, neue kleine Geschäfte.
Was diese Folge über den Einzelfall hinaus interessant macht, ist die Stelle, an der Belinda die eigene Position nicht schont. Abends fuhr die Gruppe ins Hotel zurück, zum Flaschenwasser. Und auf dem Rückweg fragte ein Lehrer sie, was die Eltern ihres Mannes für sie bezahlt hätten. Nichts, sagte sie. „Bist du denn nichts wert?“
Kapitel
Aus den Fragen im Gespräch abgeleitet.
Transkript
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Thomas: Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge von LeichtLos. Schön, dass du heute wieder dabei bist. Egal ob im Auto, beim Spazierengehen, im Gym, auf dem Sofa oder irgendwo mitten im Alltag. Hier geht es nicht um den perfekten Lebenslauf oder Menschen, die schon längst am Ziel angekommen sind. Hier geht es um echte Geschichten. Menschen, die ihren eigenen Weg suchen, Verantwortung übernehmen und dabei immer wieder herausfinden, was ihnen wirklich wichtig Und mein heutiger Gast bringt davon ziemlich viel mit. Sie ist 27 Jahre alt, Ehefrau, Mutter einer kleinen Tochter und in einer Unternehmerfamilie groß geworden. Sie beschreibt sich selbst als lebenshungrig, verträumt und manchmal ein bisschen sprunghaft, als jemand, der sich für unglaublich vieles begeistern kann und möglichst viel vom Leben erleben möchte. Ihr Alltag bewegt sich zwischen Familie, Unternehmertum, Gesundheit, PM, und dem Wunsch, mit dem eigenen Handeln wirklich etwas zu bewirken. Und genau darum geht es heute: die Frage, wie man zwischen all den Rollen seinen Weg findet. Und genau darum geht es heute: die Frage, wie man zwischen all den Rollen seinen Weg findet. Darum, was Verantwortung für sie bedeutet. Und eine Reise nach Kenia, bei der sie erleben durfte, wie aus einer Idee,
Belinda: .
Thomas: einem Unternehmen und vielen Menschen etwas entstehen kann, das weit über das eigene Leben hinausreicht. Ich glaube, das wird heute eine sehr positive Folge über Lebensfreude, Möglichkeiten und darüber, wie viel Wirkung entstehen kann, wenn Menschen nicht nur reden, sondern wirklich loslegen. Ich freue mich sehr, dass du heute hier bist. Herzlich willkommen, Belinda.
Belinda: Hallo Thomas, ja vielen vielen vielen Dank für die liebe Anmoderation. Ich freue mich, heute hier sein zu dürfen.
Thomas: Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Steigen wir direkt mal mit der ersten Frage ein. Du hast im Vorgespräch erzählt, dass du lebenshungrig, verträumt und sehr begeisterungsfähig bist. Woran merkt man das in deinem Alltag am schnellsten, dass du möglichst viel vom Leben erleben möchtest?
Belinda: Grundsätzlich ist mein Alltag einfach sehr voll und ich nehme Herausforderungen mal gerne an, auch wenn sie eigentlich gar keinen Platz mehr in der Woche haben. ja, packt mir einfach sehr, sehr viel voll. Wenn ich unterwegs bin, dann versuche ich Road Trips, egal was, einfach so voll zu packen, wie es geht und so viel von der Welt zu sehen, so viele verschiedene Menschen treffen zu können, wie es geht. Also ich denke, das sind so Indikatoren dafür.
Thomas: Du bewegst dich zwischen Familie, Unternehmertum, Gesundheit und PM. Was verbindet diese unterschiedlichen Bereiche für dich? Gibt es etwas, das dir einen roten Faden dabei gibt?
Belinda: Ja, Verantwortung und Impact in der Welt. Also wir hatten im Vorgespräch auch kurz darüber gesprochen. Ich glaube, das, was mich bei PM auch so fasziniert ist, die Art und Weise, das Unternehmen zu führen und der Spirit, die Philosophie dahinter. Das ist sehr ähnlich, finde ich, zu einem Familienunternehmen. Natürlich sehr, sehr viel größer mittlerweile. Aber trotzdem glaube ich, wäre PM International heute nicht so erfolgreich, wenn nicht immer, also wenn Rolf Sorg nicht immer wieder an der Basis investieren würde. immer wieder sich auf das beruft, womit das Unternehmen gewachsen ist, immer sehr langfristig denkt, jetzt nicht kurzfristige Renditen erzielen möchte, sondern eben immer sehr, sehr viel zukunftsorientiert handelt. Das kenne ich bei uns im Unternehmen auch so. Und Familie ist für mich halt auch nichts anderes, weil wir können viel über die Zukunft reden oder Zukunft gestalten beruflich. Aber wenn wir keine nächste Generation haben, wird es auch schwierig. Und deswegen finde ich es halt super wichtig. nicht immer nur sich zu beschweren über das, was falsch war, oder die Jugend von heute oder dies und jenes, sondern zu sagen, ich mache es halt oder ich versuche es besser zu machen. Besser ist ja auch immer relativ und ich glaube, Mensch oder jede Mama, jeder Papa entscheidet das auch immer nach bestem Wissen und Gewissen in ihrem Handlungsspielraum, aber grundsätzlich würde ich sagen, ja weniger meckern und es einfach besser machen und die eigenen Werte versuchen, ja einfach... an die nächste Generation weiterzugeben und so dafür zu sorgen, dass die Zukunft vielleicht wieder in eine andere Richtung einschlägt als die, wenn man jetzt gerade mit der Situation nicht einverstanden ist.
Thomas: und ein bisschen die Welt besser machen. Das machst du ja auch im Rahmen eurer Foundation ... ... eurer Firma. Du warst dieses Jahr in Kenia ... ... wenn du heute an diese Reise zurückdenkst, ... ... welches Gefühl kommt als erstes hoch?
Belinda: Dankbarkeit, glaube ich. Also erstmal die Foundation ist von unserem Familienunternehmen, also maßgeblich leitet meine Mama unsere Foundation und setzt sich dafür ein. Aber wir haben eben das Glück, dass wir einmal im Jahr eine Reise begleiten dürfen und dieses Jahr durften mein Bruder und ich eben die beiden Plätze belegen und wenn man darüber nachdenkt, was man da erleben durfte, das ist schon krass, weil Das war halt erst im Februar und jetzt ist man schon wieder so im Alltag und es ist zwar vier Monate her, aber wenn man vor Ort ist, dann denkt man, boah, das muss ja für immer anhalten dieses Gefühl und wie krass sind diese Eindrücke, aber irgendwie muss man dann doch realisieren, dass der Alltag einen relativ schnell wieder einholt. Nichtsdestotrotz ist natürlich jeder Moment, wo ich jetzt einfach am Wasserhahn stehe und da kommt fließendes, sauberes Wasser raus, wird mir natürlich jetzt immer bewusster. dass das nicht selbstverständlich ist und gerade wenn man dann mal in den gleichen Stuhlen gelaufen ist wie jemand, der wirklich keinen Zugang zu sauberem, sicherem Wasser hat, der wirklich kilometerweit durch die Wallachei laufen muss, sich diesen Weg mit unterschiedlichen Tieren und Menschen teilt, da wird einem schon bewusst, was für ein Privileg das ist, dass wir hier einfach nur einen Hahn öffnen müssen, können auch noch die Temperatur einstellen. Was für uns halt so selbstverständlich ist, ist da halt alles andere als selbstverständlich. Deswegen Dankbarkeit überhaupt, dass wir diese Reise machen durften. Dankbarkeit, dass wir auch von den Maasai so herzlich aufgenommen wurden. Das ist ja auch nicht selbstverständlich, dass der Weiße von Overseas meint, alles besser zu wissen und dann trotzdem als Teil der Familie dankbar aufgenommen wird. Das ist ja schon auch ein sehr krasser kultureller Unterschied. Und dass sie dann trotzdem so offen sind, uns dazu zu begrüßen. Das war natürlich einmalig und natürlich einfach alle Momente.
Thomas: Wir gehen da gleich noch mal bisschen näher drauf ein. Aber bevor wir jetzt richtig starten mit der Folge. Für alle, die dich noch nicht kennen. Wer bist du und wie würdest du dich selbst als Mensch beschreiben?
Belinda: Puh, wer bin ich? Das ist schwierig. Ja, wie gesagt, ein sehr lebensfroher Mensch, wenn ich mich jetzt so von den Rollen trenne, weil normalerweise stellt man sich ja vor mit, ich bin Belinda, ich bin 27 Jahre alt, ich habe eine 3-jährige Tochter, ich bin verheiratet, ich arbeite da und da, ich komme da und da her. Aber wer bin ich? Ja, ein sehr lebensfroher Mensch, der sehr, sehr gerne Kontakte pflegt, der sehr gerne reist, ich spreche gerne Sprachen oder lerne neue Sprachen dazu. Ich möchte irgendwie die Welt verstehen lernen, deswegen bin ich auch jemand... der gern hinter die Kulissen schaut, auch im Urlaub eher Backpack und ab unter die Menschen und nicht so Luxusresort. Ja, ich bin einfach sehr wissbegierig und... möchte verstehen, wie die Welt funktioniert, damit ich vielleicht auch einen Impact liefern kann.
Thomas: lebenshungrig, verträumt und abwechslungsbedürftig. Wann fühlst du dich wirklich lebendig?
Belinda: wenn ich ganz viel Neues erleben kann. Typische Gänsehautmomente. Entweder man ist auf einem Konzert und 5000 Menschen grölen ein Lied zusammen. Also diese Momente, wo man merkt, wir sind eins. Oder auch Momente, in denen besondere Geschichten geschrieben werden. Unseren Veranstaltungen zum Beispiel regelmäßig. Wenn man sieht, wie Menschen Verantwortung für ihr Leben übernehmen und dann ihre Geschichte komplett neu geschrieben haben. weil es auch ganz ganz viele andere Menschen in ihrem Umfeld berühren konnten. Aber natürlich auch die kleinen Momente, wenn man Mama ist und man holt die Kleine aus dem Kindergarten ab und sie rennt ihr entgegen in die Arme. Oder gestern kam ich bisschen später nach Hause und dann habe ich gefragt, was sie gemacht haben und dann hat sie gesagt, eigentlich habe ich dich vermisst. Das ist natürlich in einem Moment traurig, aber auf dem anderen, nee, da hat sie gesagt, wir haben auf dich gewartet. Also nicht ganz traurig, aber das ist natürlich auch schön, man also diese kleinen Momente, in denen man einfach mit der Familie dieses Kindsein beobachten darf, begleiten darf. Und da sind es dann einfach die Lacher, wo man sich auf den Boden schmeißt, die einfach auch unfassbar lebendig fühlen lassen.
Thomas: ... Ehefrau, Unternehmerin und ... Tochter eines Familienunternehmens. Aber in welcher Rolle fühlst du dich ... wirklich am meisten wie du selbst?
Belinda: Das ist auch schwierig, weil jede Rolle ist ein sehr, sehr großer Teil von mir. Irgendwo haben mich die verschiedenen Rollen auch zu dem gemacht, was ich bin. Ich glaube, jede Rolle bedingt auch die andere. Also ich glaube, dass mein Führungsstil ein anderer ist, seitdem ich Mutter bin. Ich glaube, dass ich eine andere Mutter bin, als die Mutter, die nicht auch eine Unternehmensverantwortung hat. Das Gleiche mit PM. Ich glaube, dass die Erfahrung aus dem Unternehmertum und des Mama-Seins mich anders motivieren, anderen Müttern diese Chance zu geben, das Leben zu vereinen und sich nicht aufteilen zu müssen. Also jeder Teil hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin und wenn mich nicht jeder Teil erfüllen würde, dann hätte ich ihn auch längst liegen lassen, weil es schon sehr viel ist. Aber alle Rollen davon gehören halt zu mir komplett. Ich kann dir gar nicht sagen, was mich am meisten erfüllt. Also ich denke natürlich, dass Mama sein. Wenn man alles beiseiteschiebt, das natürlich das, einen irgendwie am meisten beseelt und erfüllt. Wenn man so ein kleines Lebewesen sieht und darüber nachdenkt, das haben wir gemeinsam geschaffen und wir dürfen dieses Lebewesen jetzt begleiten. Aber trotzdem denke ich, dass... Ich kann mich gar nicht entscheiden, glaube, sonst hätte ich schon längst getan.
Thomas: Und was hätte dir deine Familie über Verantwortung und Erfolg mitgegeben?
Belinda: Ja, sehr viel, dass das zusammengehört. Dass Erfolg immer ein Resultat dessen ist, wie viel Verantwortung du für deinen Handeln übernimmst oder eben auch wenn du delegierst, wie du dich fühlst. Aber ganz, ganz viel bei einem selber anzufangen. Ja, Verantwortung für sich erstmal zu übernehmen, für seine Aussagen. Verbindlichkeit ist mir halt super wichtig. Ich bin so Mensch, wenn ich mich mit wem verabrede, mündlich, auch schon zwei Wochen vorher, dass wir uns irgendwo treffen, dann stehe ich da. Und wenn ich da nichts anderes gehört habe, dann verlasse ich mich darauf. Was heute in der Generation manchmal nicht mehr so das ist. Wenn man dann nicht mehr miteinander redet, dann hat der andere das schon vergessen. Aber für mich sind diese Werte wirklich Verbindlichkeit, Verlässlichkeit super wichtig. An meiner Pünktlichkeit kann ich noch arbeiten, aber ich glaube, das ist auch bisschen dem geschuldet, dass einfach der Tag ultra voll ist. Und bevor ich eine Viertelstunde eher da bin, fange ich noch irgendwas an, was erledigt werden muss und merke dann, Zeit vergessen. Genau, aber grundsätzlich vor allem die Kommunikation miteinander auf Augenhöhe und diese Bodenständigkeit. Das sehe ich bei uns auch immer in der Familie sehr, sehr stark, dass da eher sich geschämt wird für die Privilegien, die man hat. Da wird das schöne Auto eher in der Garage geparkt und nur am Wochenende ausgefahren, als dass man irgendwie den Erfolg auch wirklich nach außen auslebt und spiegelt. Also sehr bodenständig, ich sagen.
Thomas: Du hast im Vorgespräch gesagt, dass man bei dir schnell bei Tochter von, Enkelin von, Schwester von ist. Aber wann hast du angefangen, nach deiner eigenen Identität zu suchen?
Belinda: Ja, immer schon. Mir ist auch damals schon aufgefallen, bin nach der. In der 10. Klasse durfte ich nach England gehen für fünf Monate auf die Highschool. Bin immer schon viel gereist und hab dann auch gemerkt, ich hab hier ganz andere Talente oder Menschen fallen ganz andere Stärken an mir auf, die hier vielleicht von jemand anderem aus meiner Familie Stärke ausgeprägt waren und deswegen nie mir zugeschrieben wurden. Und das fand ich ganz spannend, dass ... Ja, ich in einem anderen Umfeld ganz andere Menschen angezogen habe und ganz andere Dinge darüber auch über mich lernen durfte, ne? Durch die Menschen, die ich in mein Leben ziehe. Und da hab ich mich natürlich auch gefragt, hey, wer bin ich denn wirklich, wenn ich mal raus bin von zu Hause? Wer bin ich denn wirklich, wenn ich mal ich bin und wenn die Leute mich nicht zuordnen können, bevor sie mich kennen? Und das begleitet mich ja. Und man lernt ja auch immer neu dazu und man nimmt ja auch immer wieder andere Identitäten an, arbeitet aktiv daran und dementsprechend. Spiegelt sich das natürlich auch in der Außenwahrnehmung. Also es ist ja eine Dynamik zwischen meinem Selbstbild und meinem Fremdbild. Und natürlich mit mehr Reife, mit mehr Reflexionsfähigkeit kann man natürlich auch besser damit arbeiten, so wahrgenommen zu werden, wie man wahrgenommen werden möchte und eben nicht immer im Schatten von jemandem zu stehen. Aber eben auch durch die eigenen Taten, wenn ich dann selber zeige, hey, ich bin nicht von... sondern ich bin ich und ich sehe manche Dinge anders und ich gestalte sie auch aktiv anders, dann fällt es dem Umfeld natürlich auch leichter, mich davon abzugrenzen.
Thomas: Und was möchtest du einmal hinterlassen, das dann wirklich deine eigene Handschrift hinterlässt?
Belinda: Mir ist es wichtig, vielleicht auch durch den eigenen Weg, den ich jetzt gegangen bin in der verschiedenen Rollenaufteilung, ich trage, allem auch Frauen zu stärken und das Familienbild wieder zu stärken. Ich finde, es fällt sehr viel auseinander. Ich denke, vieles ist stressbedingt. Das System ist ja nicht ganz so familienfreundlich heutzutage. Da sowohl im Führungsstil, im Unternehmen dass man da jetzt bisschen dafür sorgt, dass das Arbeitsleben sich auch mehr an die Strukturen der Familie anpassen kann, dass wir uns flexibler aufstellen, dass wir Prozesse automatisierter aufstellen und man nicht immer die Kontrolle braucht, jemandem wirklich physisch über die Schultern gucken zu können, sondern dass man den Mitarbeitern auch einen anderen Vertrauensvorschuss gibt und gerade Frauen auch den Freiraum, die Waschmaschine abzuholen, zu kochen und die Arbeit miteinander zu verbinden. Ja, dass das zu uns im Unternehmen und dann eben auch durch unsere Foundation zum Beispiel Menschen auch zu berühren, die nicht so aktiv jetzt von unserem Kaffee profitieren können oder von unseren internen Strukturen. Aber auch da komme ich irgendwie immer wieder auf den Punkt vor allem der Frauen. Nicht weil die Männer nicht relevant sind, aber ich glaube, weil wir Frauen schon auch immer diesen Auftrag hatten, die Familie zusammenzuhalten. alle an einen Tisch zu setzen und dafür zu sorgen, dass Harmonie und Langfristigkeit irgendwie wieder stattfinden. Und deswegen führt mich irgendwie alles wieder dahin, Frauen zu stärken. Ob das jetzt im Network ist, merke ich, dass ich eher Frauen adressiere. Ja, ist es auch einfach meine Story müssen authentischer, weil ich einfach weiß, wie schwer das ist, sich ständig zu zerteilen. Und ich denke, wenn wir da Möglichkeiten schaffen, noch wieder mehr Raum. zu geben für die Werte, die man vermitteln möchte, für das Urvertrauen, was man in seinen Kindern pflanzen kann, weil man da ist, weil man sich aktiv für das Kind in dem Moment auch interessieren kann. Also ich würde keine Mutter unterstellen, dass sie es nicht tut, aber wenn der Kopf halt voll ist noch mit To-Do's und hier Druck und da Druck, dann kann man einfach nicht ganz so präsent sein, wie man es gerne wäre und das spüren natürlich auch unsere Kinder und da einfach auch Müttern die Chance zu geben. ihren Kindern das Gefühl zu vermitteln, du bist gut so wie du bist, du bist hier richtig und du hast Platz in meinem Leben und ich freue mich, dass du Teil davon bist. Und ich glaube, das geht ab und zu im Alltag ein bisschen unter. Deswegen finde ich diese Chance so genial, das weitergeben zu können. Ja, bei der Foundation sind es auch ähnliche Züge.
Thomas: mal ein bisschen zu deinem Weg zu PM. Dein Sponsor hat dich anderthalb Jahre lang angesprochen und du hattest Angst, dass es dich begeistern könnte. Warum wolltest du diese Tür damals lieber geschlossen lassen?
Belinda: Ja. In der Zeit war viel Umbruch. Ich bin gerade frisch Mama geworden, mein ich, oder ich war kurz davor. Ich musste so bisschen meinen Weg finden zwischen Studium, Abschluss, Weg im Unternehmen und die Vorbereitung auf die Mutterrolle. Aber mein Alltag war damals einfach schon super voll und deswegen hatte ich einfach wirklich überhaupt gar keinen Nerv mehr oder war damals schon... Mir war damals zu dem Zeitpunkt schon bewusst, dass ich eher reduzieren sollte. als mir noch mehr ans Bein binden. Where the focus goes, the energy flows. da hat schon nichts mehr gefloat und deswegen habe ich gedacht, du musst erstmal wieder bisschen mehr Fokus reinkriegen und dir nicht noch mehr Projekte immer mehr in dein Leben holen, sondern mal eher sortieren, wo du Abstriche machen kannst. Vor allem im Hinblick darauf, da Mutter zu werden. Ich weiß gar nicht mehr, wie weit ich genau war, aber es muss ungefähr so in der Zeit kurz vor Geburt gewesen sein. Genau und da war ich einfach... Nicht offen, weder für die Produkte, weil ich dachte, ich weiß, wie ich mich ernähren muss, ich bin Epigeneticoach, ich bin Gesundheitsberaterin, kenne mich mit Wildpflanzen aus, also ich weiß, was ich machen muss. Wusste ja noch nicht, wie der Alltag sich dann verändern würde. Und auch für Business Opportunities war ich nicht offen, weil ich habe ja eine sehr coole Perspektive gehabt, die habe ich auch immer noch, aber wenn du aus einem Familienunternehmen kommst, wo sich jeder seit Generation den Hintern aufreißt, war das für mich auch ein sehr, sehr langer Weg, zu erlauben, dass ich trotzdem auch was anderes aufbauen darf. Und an dem Punkt war ich damals noch nicht. Und auch zeitlich war ich überhaupt nicht offen, weil ich dachte, wenn ich mich dafür begeistern würde und ich kenne mich und ich finde Networks immer schon cool, die Idee hat mich immer schon fasziniert, zeitlich, örtlich, unabhängig zu arbeiten, Menschen Mehrwerte zu bieten, vor allem auch Menschen langfristig zu begleiten mit einem direkten Feedback. Aber ich wusste, wenn, dann bin ich auch so ehrgeizig, dass ich das nicht nur einfach irgendwie mache, sondern dann will ich es halt auch rocken. Und dann komme ich halt schnell in die Bredouille und deswegen war ich eher zurückhaltend. Ja, und habe es immer vor mir her geschoben.
Thomas: was war dann genau der Moment, wo du gesagt hast, jetzt brauche ich die Veränderung.
Belinda: Die Zeit nach Geburt, also nach Schwangerschaft, Geburt und anderthalb Jahre voll Stillen. Dann habe ich einfach gemerkt, dass ich zwar in der Theorie ganz ganz viel über Ernährung und Nährstofftherapie weiß, aber ich kam gar nicht mehr dazu, danach zu leben. Also mein Alltag war so voll. Ich habe mich gefreut, wenn ich mal am Tag was Warmes gegessen habe. War eigentlich die ganze Zeit nur am Kind betreuen, bedarfsorientiert, stillen, hier noch, da noch. Hab eigentlich mehr abgegeben als ich mir genommen habe und auch die Schwangerschaft war sehr stark geprägt von Gewichtsverlust eher als dass ich zunehme und da waren die Ressourcen halt die Reserven irgendwann einfach aufgebraucht und da bin ich dann tatsächlich über den gesundheitlichen Aspekt habe ich dann irgendwann doch gesagt komm ich probiere es aus weil ich habe die Schränke voll mit Supplements, hat alles nicht für mich funktioniert, alles kam innerhalb von wenigen Sekunden wieder hoch. Und dann habe ich gedacht, hey, hier habe ich eine 30 Tage Zufriedenheitsgarantie. Im Worst Case, wenn ich es auch nicht vertrage, dann schicke ich es halt zurück. Und ich war sehr, sehr intuitiv unterwegs in der Schwangerschaft. Und deswegen war ich sehr positiv überrascht, dass die Produkte drin geblieben sind und dass ich davon Gebrauch machen konnte, weil zu dem Zeitpunkt hätte ich alles genommen, was irgendwie drin bleibt, mich mal wieder in meine Kraft zu bringen. Und ja, deswegen war das dann gut. dass sich dem Moment noch mal gemeldet hat und ich dann erstmal körperlich mein Leben wieder ein bisschen auf die Spur bringen konnte. Genau, und dann wollte ich das natürlich auch anfangen anderen Müttern weiterzugeben. Also das merke ich halt auch in der Ansprache, dass es mir voll das Anliegen ist, anderen Müttern früh genug von dieser Möglichkeit zu erzählen, weil ich ja rückblickend mir voll den Vorwurf mache, warum ich es nicht eher ausprobiert habe, weil ich denke, dass die eine oder andere Konversation mit der Tochter oder dem Ehemann ein bisschen harmonischer gewesen wäre, wenn man nicht so am letzten Faden hängt, wenn die letzte Nacht ein bisschen regenerativer gewesen wäre, auch bei wenig Schlaf und wenn man ein stabileres Energielevel über den Tag hätte. Ich kann definitiv sagen, dass es mir in der Situation sehr viel weitergeholfen hat.
Thomas: Kommen wir mal zu eurer Foundation. Dürfen wir den Namen der Firma verraten?
Belinda: Mal sehen, ja.
Thomas: Ja, also wir reden hier über die Firma Cup&Cino und die Firma hat eine Foundation gegründet und ja, erzähl mal, also wie ist diese Foundation damals entstanden und welche Bedeutung hat sie heute für eure Familie?
Belinda: Also wir wollten damals schon bisschen was gesellschaftlich verändern und einen Impact haben und werden natürlich auch als Kaffeepartner häufig auf Fairtrade-Bedingungen etc. angesprochen, weil gerade Nachhaltigkeit ja auch zunehmend Thema ist, Gott sei Dank. Nur haben wir dann mal hinter die Kulissen geschaut und ich möchte jetzt kein Unternehmen hier nennen, aber viele waren einfach sehr intransparent, wo die Gelder hingehen. Man hat dann nur, wenn man mal hingefahren ist, riesen Verwaltungsgebäude gesehen oder vielleicht große SUVs. Das war dann irgendwo bisschen schwierig. Es gibt ja auch da rechtliche Grundlagen, wie hoch der Prozentsatz an Verwaltungsgeldern sein darf. Das ist annähernd ein Viertel des Betrags. Das wollten wir anders gestalten. Vor allem wollten wir unseren Kunden auch ermöglichen, wenn sie Teil dessen sind. Wir haben ein anderes Abrechnungssystem und wir haben versucht, nicht immer wieder betteln zu müssen nach Spenden, sondern das in unser Geschäftssystem und unser Geschäftsmodell zu integrieren. Und wir rechnen unsere Kunden nach Portionen ab über Zählerstände, die die Maschine uns übermittelt. Und somit können wir unseren Kunden anbieten. Wenn sie möchten, können sie pro Portion, die sie verkauft haben und damit schon eingenommen haben, ein oder zwei Cent freiwillig an die Foundation abzuführen. Somit haben wir ein automatisch wachsendes System. Darüber wissen wir aber auch immer ungefähr, was reinkommt, können das Spendenvolumen irgendwo ungefähr absehen und dementsprechend dann verschiedene Projekte realisieren. Da war uns halt wichtig, dass wenn wir jemanden fragen nach ein oder zwei Cent, dass trotzdem dann auch ein oder zwei Cent ankommen und dass die Kunden sagen, ja, wir werden Foundation-Partner, dass die auch hinterher wissen, wo das Geld hinkommt. Und deswegen haben wir Partner gesucht, die das realisieren können. und haben uns damals mit Neven Subotic zusammengetan. Er hatte damals seine Stiftung N2S gegründet. Die Neven Subotic Stiftung, nach seiner aktiven Fußballkarriere, hatte auch das, also auch so ein Brausleben der Fußballer ein bisschen hinterfragt und wollte ein bisschen einen anderen Impact liefern. Genau, mittlerweile heißt seine Stiftung well:fair. Und wir sind mit denen gewachsen, das ungefähr jetzt nicht ganz zehn Jahre her. Und genau. Er hat sich eben dafür eingesetzt, wirklich mit lokalen Partnern vor Ort zusammenzuarbeiten. Das ist zum Beispiel Amref. Die sind in Afrika sehr, sehr aktiv. Aber je nach Land, in dem wir noch aktiv sind, haben angefangen mit Äthiopien, auch den Bezug zu Kaffee zu bekommen. Denn Kaffee kommt ursprünglich aus Äthiopien. Da gibt es auch eine tolle Kaffeetradition. Und genau, da so bisschen die Brücke zu schlagen. Eines der hochwertigsten oder beziehungsweise teuersten Kaffeeanbauländer aufgrund der Höhenlage bis eben Äthiopien und dann diesen Ländern, von denen wir unser Produkt beziehen, was zurückzugeben, haben wir mit Äthiopien angefangen dort Brunnen zu installieren. Genau, aber durch Bürgerkrieg etc. verschiedene Spannungen im Land sind wir mittlerweile auch in Kenia und Tansania aktiv. Genau, das sind so die Länder, die wir da adressieren. Da geht es eben nicht nur um Wasser, weil häufig heißt es halt ja, wir bauen da Brunnen, aber Es geht halt so viel mehr, denn was uns nicht bewusst ist, dass alles mit Wasser anfängt und die Projekte heißen auch nicht Brunnenbau, sondern WASH-Projekte und sind wirklich sehr ganzheitlich, dass wir wirklich vor Ort erstmal schauen, dass wir Vertrauen der Menschen gewinnen, dass wir auch wirklich mit der Organisation arbeiten, dessen Mitarbeitende selber aus den verschiedenen Gemeinden kommen, die genau die Strukturen kennen, die wissen, wie man mit diesen Menschen auch sprechen muss, wie man sie vielleicht auch dafür... gewinnen kann, dem Ganzen eine Chance zu geben. Das sind natürlich auch Projekte, die realisiert werden. Das dauert mehrere Monate, damit es eben auch nachhaltig und miteinander funktionieren kann. Es werden verschiedene Regierungsgremien mit einbezogen und es werden die Kinder auch geschult. Also es gibt dann Brunnen, es gibt aber auch Latrinen, wo die Mädchen das erste Mal einen geschützten Raum haben, auf Toilette zu gehen. Ich die Jungs auch, aber die haben es ja manchmal ein bisschen einfacher. Es gibt auch ganz viele Aufklärungsprojekte, sodass die Kinder mit einbezogen werden, dass das Ganze langfristig hält und sich selbst trägt. Gesellschaftlich macht das natürlich einen riesen Unterschied, ob die Frauen den ganzen Tag damit beschäftigt sind, ein- oder zweimal zur Wasserstelle zu laufen und Wasser zu holen, oder ob sie den ganzen Tag geschenkt haben, andere Dinge zu tun. Und natürlich ist die Präsenz in der Schule auch eine andere. wenn die Kinder nicht mit den Eltern zur Wasserstelle laufen, sondern jetzt den ganzen Tag Zeit haben, in der Schule zu sitzen. Also es fängt mit einem Tropfen Wasser an, aber es zieht unfassbar große Kreise, was sich da halt sozial, gesundheitlich, aber auch gesellschaftlich dann dort vor Ort verändern kann.
Thomas: Was ist dir bei sozialem Engagement besonders wichtig, damit es sich für dich ehrlich und wirksam anfühlt?
Belinda: Auf der Seite ist die Transparenz dessen, dass man nicht nur irgendwo hin was überweist und da keinen Bezug zu hat, sondern dass wir wirklich auch die Koordinaten der Projekte haben, dass wir da hinreisen können. Aber vor allem, dass es auf Augenhöhe passiert. Also mich hat es wahnsinnig begeistert, wie unsere Partnerorganisation vor Ort da auch mit den Menschen spricht. Also da tauchen wir als Cup&Cino Foundation schon mal gar nicht auf. Auch die well:fair ist eigentlich im Hintergrund. Denn Ansprechpartner für die Projekte ist halt immer die afrikanische Organisation. Und das ist auch gut so. Und da wirklich zu sehen, wie Hand in Hand mit den Gemeinden gearbeitet wird, wie langfristig die Projekte begleitet werden. Auch so... damit man sich das mal vorstellen kann. Es werden dann Latrinen zum Beispiel auch gebaut. Das ist auch Teil des Projekts und da dürfen sich dann auch Jungs aus oder Frauen auch aus dem Dorf freiwillig melden, die dann mithelfen diese Latrinen zu bauen, weil sie dadurch gleichzeitig eine Maurerausbildung bekommen, die sie sich so vielleicht nicht leisten könnten. Aber da sie ihr Ehrenamt quasi zur Verfügung stellen, lernen sie Häuser zu bauen. Das finde ich halt auch so toll, dass man wirklich versucht. so viel wie möglich auch von den Menschen vor Ort abzudecken, sie gleichzeitig auch noch auf anderen Gebieten zu schulen. Diese Langfristigkeit, dieses Selbstinteresse auch, dass man jetzt nicht den irgendwas einfach da hinwirft und sagt nimm mal und sei dankbar, sondern dass man wirklich so viele wie möglich mitnimmt, auch eigenverantwortlich damit umzugehen, damit es halt auch langfristig funktioniert. Und auch da, das Wasser für die Gemeinde kostet hinterher was. Nicht viel, das kann sich jeder leisten, aber es sind eben Kleckerbeträge, damit sich dieses ganze Projekt tragen kann und damit, wenn doch mal irgendwie ein Ersatzteil gebraucht wird, eine Reparatur fällig ist, dann nicht schon wieder der Brunnen steht und man muss wieder in Deutschland irgendwie die Hand aufmachen, sondern damit die selber lernen auch, damit so zu wirtschaften, was sie haben, da vielleicht auch kleine Mikro-Geschäftsmodelle daraus machen können und Ja, einfach auch der Impact der Frau. Also ich fand das einfach enorm vor Ort zu sehen, wie die Frauen aufblühen, wenn sie Wasser haben, wie kreativ sie werden, wie sie sich für das Dorf engagieren. Und auch die Kinder in der Schule, die wir besuchen durften, die hatten dann auch alle Visionen und wollten entweder selber Instrukteur werden, selber Ingenieur, solche Brunnen zu bauen, oder Arzt oder Lehrer. Und die wollten halt alle diese Dankbarkeit und diesen Switch, den sie selber jetzt über die letzten Monate oder ein, zwei Jahre erlebt haben, auch wieder weitergeben, an ihre Gemeinde und ein Stück zurückgeben. Das finde ich halt so schön, dass man daran wirklich sieht, die Menschen sind dankbar dafür, was wir tun, und die merken den Unterschied. Und sie sind dankbar für den Unterschied, auch wenn sie am Anfang skeptisch waren, aber dass diese Hilfe nicht an den Menschen vorbeigeht, denen sie helfen soll. Das ist mir super wichtig.
Thomas: Kommen wir mal zu deiner Reise nach Kenia Anfang des Jahres im Februar. Was war so dein erstes Gefühl, als du nach Kenia gekommen bist, als ihr gelandet seid?
Belinda: Ja, also im ersten Moment wusste ich ja gar nicht, was mich erwartet. Ich bin schon viel gereist. Es war natürlich warm und es waren da viele Mücken. Und so auf den zweiten Blick, sobald wir dann im Taxi waren oder in den Bussen und sind dann zum Hotel gefahren, hat man natürlich schon gemerkt, dass die komplette Infrastruktur ganz anders ist. Also die Straßen sind natürlich ganz anders asphaltiert als bei uns. Überall wird auf den Gehwegen Handel betrieben und Es ist grundsätzlich einfach sehr sehr bunt, sehr sehr viel los, sehr sehr viel Leute, häufig auch sehr sehr viel Müll, da es ja nicht so die Infrastruktur gibt und wir sind auch in Nairobi gelandet, das heißt es war noch so bisschen Großstadtflair natürlich. Die nächsten Tage sahen dann ganz ganz anders aus, wenn wir dann in so einem Projektregion waren, da war dann eher ganz ganz viel Landschaft und super viel Grün, das was Afrika eigentlich ausmacht. Genau.
Thomas: Und ja, dann erzähl mal, also wie war die Reise? Was habt ihr da so erlebt in uns mal mit?
Belinda: Also die Reise ist gar nicht in Worte zu fassen, aber so bisschen der Ablauf der Reise war eben auch diese Reise des Wassers. Wir sind am ersten Tag hatten wir erstmal einen Termin bei unserem Partner vor Ort Amref und haben uns angeguckt, wie die Arbeiten nochmal einen Überblick geschaffen, wie die überhaupt Entwicklungshilfe betreiben, in welchen Feldern sie tätig sind. Die machen viel mehr als jetzt nur Wasserinfrastruktur, aber das ist eben der Kern, den wir uns fokussiert haben. Genau, das war ganz cool, auch das Team kennenzulernen, die Gesichter dahinter, die wirklich auch dann sonst immer nur per E-Mail Kontakt im Kontakt sind und uns erzählen, was vor Ort passiert. Dann am ersten Tag, wo wir dann wirklich in die Projektregion gefahren sind, waren wir in der ersten Gemeinde, nachdem wir zweieinhalb Stunden erstmal mit dem Bus in die Valerreal gefahren sind. Durch wirklich Straßen, das werden halt bei uns Riesenwaldwege. Also mit super vielen Löchern und Pfützen und Stein und Geröll. Aber allein der Weg war schon ein Highlight, weil du hast aus dem Jeep schon Giraffen an den Bäumen, also grasen gesehen, du hast Zebras neben dir herlaufen sehen. Es waren überall Kühe, Pferde, mal zwischendurch auf der Straße. Also wirklich so ein... Das war schon wie so eine Live-Safari. Nur, du halt nicht in einem Nationalpark warst, sondern einfach mittendrin. Und das war auf jeden Fall schon ein Highlight. Und dann, als wir in der Region angekommen sind... Ja... Es war schon für uns sehr... aufregend, weil wir wissen ja, dass die Kulturen sehr unterschiedlich sind und wir wollten natürlich jetzt auch nicht als weiße Deutsche da irgendwie uns falsch verhalten, irgendwas Respektloses machen und wir sind dann angekommen und wurden von der Gemeinde direkt auch empfangen und die hatten dann Musik gespielt und die Kinder haben sich schön aufgestellt, haben was gesungen und das war uns natürlich sehr, sehr krass, weil es das erste Mal war. so aufgenommen zu werden und auch diese Erwartungen der Menschen zu spüren, denn das war ja ein Projekt, die noch keinen Zugang zu sauberem, sicherem Wasser haben. Das heißt, das waren halt noch sehr hoffnungsvolle, skeptische Blicke, aber trotzdem super herzlich und willkommen heißend. Und die Maasai, die haben ja so einen bestimmten Maasai-Tanz. Da mussten wir dann in den Maasai-Schritt in die Gemeinde einziehen. Dann gab es ein Willkommensreden. Dann haben wir uns auf den Weg gemacht, die Frauen der Gemeinde zu begleiten zu ihrer Wasserstelle. Die war in dem Fall nur 2,5 km entfernt. Das heißt, häufig kleinen Kindern, Babys in der Trage vorne. Und deren Kanistern, die mit Lederriemen an Kunststoff... Ballonen festgemacht sind, die waren dann auf dem Rücken. Da sind wir auf dem Hinweg noch relativ fit und flott Richtung Wasserstelle gelaufen. Aber da haben wir natürlich auch schon gemerkt, wenn wir mal so auf die Füße der afrikanischen Frauen geschaut haben, dass die natürlich ganz andere Schuhwerk hatten. Also das waren sehr ausge... laufende Latschen, häufig fehlten schon Riemen, häufig war das ja, hingen so am letzten Zipfel und dann damit durchs Gebirge, durch wirklich Löcher im Boden, Bäume, verschiedenen Gebüsche her. Man sieht teilweise Spuren von wilden Tieren auf den Wegen. Das war schon krass, das so zu erleben und auch Natürlich auch kulturell die Erfahrung. Du kennst halt noch gar keinen Maasai. Du konntest halt gar nichts irgendwie auch sprachlich. Die konnten sich auch nicht auf Englisch verständigen. Die Kinder waren total neugierig, aber auch zurückhaltend, denn die meisten dieser Kinder hatten noch nie weiße Haut vorher gesehen. Und das hat man halt gemerkt. Es war so eine, ja so eine, so ein Mix aus Faszination und Skepsis. Und am Anfang hat es natürlich gedauert, bis das so bisschen auftaut. Über den Weg bis zur Wasserstelle ist es halt immer besser geworden. Dann haben die auch mal ihre Lehrer gefragt, die Englisch konnten, dass die uns irgendwas fragen sollen. So hat man sich dann so ein bisschen schon angenähert. Dann auf dem Weg kurz vor der Wasserstelle hat auch eine Mutter erzählt, dass wohl vor zwei Monaten, also zu dem Zeitpunkt vor zwei Monaten, zwei Kinder von einem Elefanten angegriffen wurden. Die haben den Elefanten halt nicht sich annähern. gehört oder gemerkt. Die Kinder haben sich wahrscheinlich auch ein bisschen von der Mutter entfernt und ja, das war für mich als Mutter natürlich auch ultra krass zu hören, was für Gefahren die Kinder und die Mütter hier ausgesetzt sind, sobald sie sich von der Gemeinde entfernen. Denn ja, so ein Elefant ist ganz nett im Zoo, aber wenn so ein Elefant im wilden Leben das gleiche Wasser trinken möchte wie du, dann bist du dem halt schonungslos ausgeliefert und das ist Es war schon richtig krass, das so zu hören und dann auch das Wasser vor Ort zu sehen. Es war wirklich so, 20 Meter vor dem Wasser kam diese Story, da war ich schon so, und dann sind wir dann zu einem Wasser gekommen, 20 Meter später und ich bin schon über so einen Riesenelefantenflatsch quasi fast gestolpert und da auch zu sehen, das Wasser, was hier fließt, da sind halt auch Fäkalien drin. Und nicht nur, also da schwimmen Insektenlarven auf dem Wasser. Es ist voller Blätter. Es ist einfach der Mix aus dem, was aus dem Boden kommt, das was von oben von den Bäumen runterfällt und eben den ganzen Kreislauf der Tiere, die sich dessen bedienen und natürlich auch erst wieder dalassen. Und auch da zu sehen, wie dreckig das Wasser ist, wie das Wasser riecht, wie das aussieht. Und dann auch noch zu wissen, ja aber das trinken halt auch Affen und Elefanten und die lassen halt auch alle ihre Fäkalien da. Auch das nimmt man ja auf. Also abgesehen von den Strapazen, die es benötigt, an Wasser zu kommen, die Qualität, die man dann bekommt, ist halt auch nochmal richtig schockierend gewesen. Und ich habe natürlich auch schon vorher durch Projekte mal hier unter Bilder gesehen, aber es war schon wirklich auch eine der dreckigsten Wasserquellen, die unsere Projekt Leitungen je gesehen haben und das war schon wirklich erschütternd. Und auch die Frauen haben sich dann in einer Reihe aufgestellt. Normalerweise gehen nicht alle gleichzeitig, damit auch der Boden immer wieder frisches Wasser nachliefert und das Wasser nicht ganz so verdreckt ist, wenn jetzt 30-40 Familien schöpfen, ist natürlich am Anfang das Wasser schön klar, wenn man ja dann immer die Blätter so ein bisschen wegschiebt und die Oberfläche so ein bisschen, aber irgendwann ist das klare Wasser halt dann auch im Verhältnis. nicht mehr so da. Und dann hast du halt mehr Blätter, dann hast du mehr Dreck, dann hast du dunkleres Wasser. Und das war halt auch eine mega schwierige Erfahrung zu wissen, wer steht jetzt in der ersten Stelle in der Reihe und wer steht halt an letzten Stelle in der Reihe und muss halt das Wasser dann seinen Kindern anbieten, wo ich schon das erste nicht trinken würde. In meinem Kopf dachte ich nur so, ja, also ich kann denen das, weil wir sollten das jetzt für die schöpfen. Und dann hat man ja auch voll voll das schlechte Gewissen. So ein Wasser würde man niemandem anbieten. Und ich hab mir einfach nur eingeredet, die kochen das ab, die kochen das ab, die kochen das ab, die kochen das ab. Dann hab ich mich über die Schulter gedreht und sehe einfach wie eine durstig von dem 3 km Weg dahin, das einfach trinkt vor Ort. Und da kam mir so richtig was hoch. Das war so ein richtig schockierender Moment. Natürlich sind die auch anders daran gewöhnt als wir. Also ich glaube wir würden totumfallen, wenn wir das trinken würden. Es war schon krass vor allem das zu sehen. Wie das Wasser aussieht und was wir gewohnt sind und was die auf sich nehmen müssen. Und dann stand uns das Krasseste ja noch bevor. Also während wir da gewartet haben, es war noch so ein Schlüsselmoment, während wir da gewartet haben, bis wir schöpfen durften, kamen die ersten Kinder und haben mich dann angefasst. Fanden das total faszinierend, dass ich weiße Haut habe und so richtig weirde Situationen, weil wir haben natürlich auch geschwitzt und dann haben die einfach unseren Schweiß probiert, weil die uns so interessant fanden und das war für uns halt also richtig befremdlich. Wie die dann so ankamen und dann haben die an meinen Haaren gezogen und die waren auch fasziniert von meinen Nägeln und haben geguckt, ob die umknicken und einfach die haben uns komplett auseinandergenommen, waren wie so Versuchskaninchen, also schon respektvoll. Aber du hast einfach gemerkt, boah krass, haben halt wirklich noch nie einen weißen Menschen gesehen. Und die denken jetzt wirklich, sind mit dem UFO-Formats hinten auf der Lichtung gelandet. Also, es ist richtig crazy. Aber trotzdem diese Herzlichkeit, da kam ein Mädchen, das war halb so groß wie ich, und die strichen mir dann so richtig liebevoll über die Wange. So wie ich halt meine Tochter über die Wange streiche, wenn ich sie schlafen lege. Und das war so richtig einstiegiger, okay, wir sind alle eins, Moment. Weil sich dann einfach die Blicke so getroffen haben und es war dann komplett egal. Wer du warst, wo du herkommst, waren in dem Moment einfach irgendwie connected. Und sie war dankbar, dass wir da waren. Wir waren dankbar, dass wir da einen Impact liefern konnten. Und das war schön. Und wir durften auch eigentlich nichts tauschen oder verschenken, aber die haben mich dann mit ihrem Schmuck verschenkt und also haben mir dann so ihre Armbänder geschenkt und dann wollte ich auch nicht nehmen, ohne zu geben, hab dann mein Haargummi getauscht. Und das war halt voll schön. Sie haben sich dann ultra darüber gefreut und dran gerochen. Es war schon weird. Aber es ist halt auch Teil der Erfahrung. Und dann stand uns ja das Krasseste noch bevor, die 20 Liter auf dem Rücken zu tragen. Jeder hatte dann so bisschen andere Technik, haben sie empfohlen, diesen Riemen, also das waren so eine Tonne mit zwei Lederriemen an beiden Seiten befestigt, die über die Stirn zu tragen und sie mit den Händen zu stützen, damit dein Kopf nicht nach hinten weg fällt, weil so 20 Kilo kann man entstehen jetzt auch nicht. auf an ihm tragen und das Ganze dann eben bei 30 Grad bergauf, bergunter und ich würde mich schon als eigentlich relativ aktive, starke Person beschreiben, aber dann siehst du neben dir so 7-jährige, die den 10 Liter Kanister tragen, als wäre es halt ihr Etui. Also das war halt richtig krass, wie die körperlich einfach auch jeden Tag was sie leisten müssen und auch die Mütter, die dann währenddessen halt noch kleine Kinder vorne hatten. Das war richtig krass. Viele aus der Gruppe haben es auch nicht geschafft. Ich habe zu den wenigen drei Leuten gezählt, die wirklich den kompletten Weg auch bis ins Dorf, die 20 Liter durchtragen konnten. Aber meine komplette Stirn war halt auch komplett aufgeworfen. Es waren überall so Striemen und Schürfwunden von dieser Hitze und diesem Lederriemen. Also es war schon eine krasse Erfahrung auf jeden Fall und dann zu hören, dass manche Gemeinden, wenn es halt nicht regnet, auch mal 10 oder 20 oder 30 Kilometer einen Weg laufen müssen. Das ist halt mind blowing. Das kann man sich einfach überhaupt nicht vorstellen. Auch was für ein zeitlicher Aufwand dahinter liegt da so. Sie schaffen es ja maximal einmal am Tag Wasser zu holen. Müssten dann halt auch wieder mit den 20 Litern alles bewältigen können. Die ganze Familie versorgen, die Tiere versorgen, kochen können, sich waschen können. Ja, das ist halt... Krass einfach. Und dieser Weg dann zurück, das war wirklich wie so ein Pilgerweg. Jeder war mit sich beschäftigt, hat gegen die Hitze gekämpft, hat gegen das Gefühl gekämpft, hat irgendwie mit sich selbst so einen Kampf geführt, warum wir solche Privilegien verdient haben, das hier nicht tun zu müssen. Wo ist der Unterschied, wo wir jetzt geboren wurden? Das war schon echt der krasseste Tag. Und da sind wir auch alle sehr sehr bedrückt, sag ich mal, zurück ins Hotel gefahren. Und auch da wieder diese Diskrepanz zwischen, hey, jetzt bin ich hier in so einer Projektregion und dann fahre ich wieder in ein gemütliches Hotel, hab wieder mein Flaschenwasser. Also es war eine sehr, sehr intensive Reise und vor allem der erste Tag war super krass. Aber den brauchte man eben auch, zu verstehen, was wir da tun. Deswegen sage ich jetzt der Bezug dazu, wenn ich zum Wasser habe wie ein ganz anderer. Vor allem weil es direkt die Frauen auch wieder adressiert. Denn die Männer, die hüten das Vieh, die sitzen schön unter einem Baum im Schatten und passen auf ihre Schafe auf. Und die Frauen haben den Knochenjob. Das ist schon krass. Und dann am zweiten Tag haben wir so einen Flushing erlebt. Das ist natürlich auch immer ein Highlight der Reise. wenn du in eine Gemeinde gehst, die dann das erste Mal auf Wasser bekommen wird und das Bohrloch durchgespült wird. Das ist natürlich noch nicht sauber, da ist ganz viel Gestein, was damit rausgespült wird. Aber dann diesen Moment, diese Freude zu erleben, wie viele Kinder dann mit uns rum um dieses Bohrloch stehen und dann kommt auf einmal das erste Wasser von oben und alle sind am Tanzen und tanzen im Schlamm und nehmen sich an die Hände und es wurde gefeiert. Und das war natürlich auch ein Riesen Highlight. dass wir kurz vorher erfahren hatten, dass das halt unser Brunnen ist, also dass der zu 100 Prozent von der Cup&Cino Foundation finanziert wurde. Damit hatten wir gar nicht gerechnet, aber das hat natürlich diesen Moment nochmal intensiviert für mein Bruder und mich. Und wir standen und da sind wir uns in die Arme gefallen, haben mit den Kindern wirklich gefeiert. Überall waren wir voll mit Schlamm und waren klitschnass. Aber 600 Kinder haben mit uns Salaola-Wellen gemacht und sind rumgesprungen. Wir haben die kleineren hochgenommen. Wir hatten an jedem Finger irgendwie ein Kind, die da mit uns gefeiert haben. Und das sind auch so Momente, die gehen halt auch unter die Haut. Und dann hast du halt den Tag davor so richtig krasse Betroffenheit und dann am Tag danach einfach unfassbare Freude und Dankbarkeit. ja, dann den Tag danach eben nochmal das komplette Kontrastprogramm. Da wurde ein Brunnen vor zwei Monaten installiert und da konnten wir uns jetzt halt ein Bild davon machen. was sich verändert hat im Leben. Da kamen uns die Kinder schon mit Schulbüchern entgegen, waren super stolz, dass sie in die Schule gehen durften, hatten saubere Kleidung an. Die Frauen haben am Wasserkiosk gearbeitet, ganz anderes Selbstbewusstsein, ganz andere Ausstrahlung, ganz andere Mini-Businesses, die daraus entstehen. Und die Gemeinde wurde auch viel größer. Da hat man auch wieder gesehen, dadurch, dass Wasser da ist, kommen Lehrer in die Gemeinden. Dadurch können mehr Kinder beschult werden. Dadurch schicken mehr Eltern ihre Kinder in die Schule und dadurch wächst halt auch die Infrastruktur mit mehr Lehrern, gibt es mehr Kompetenz mit mehr Kompetenz, gibt es neue Erfindungen, Gerätschaften etc., kreative Projekte und ja, so wächst halt auch so ein Dorf und wird dann von einer kleinen Gemeinde aus 300-400 Menschen irgendwann eine Gemeinde aus 8-10.000 Menschen. Und das ist natürlich auch wieder cool, dass man da auch schafft, so ein gewisses Maß an Kultur erhält. Denn die Menschen müssen halt nicht mehr nach Nairobi in die Stadt, im informellen Sektor verschwinden und in irgendwelchen Slums unterkommen, sondern können sich jetzt halt leisten, dadurch, dass Wasser zu ihnen kommt, dort zu bleiben, wo sie seit Generationen gelebt haben und trotzdem einen gewissen Lebensstandard jetzt auch erfahren. Ich könnte Stunden lang weiter erzählen, dann kann das nicht so gut.
Thomas: Ich wollte es gerade sagen, ich könnte stundenlang zuhören. ich habe auch gerade irgendwie, als du es erzählt hast, leichte Gänsehaut bekommen. Aber so viel Zeit haben wir leider nicht. Aber erzähl doch mal, du hast jetzt schon gesagt, dass du einen ganz anderen, einen ganz anderen Stand hast, wenn du an den Wasserhahn gehst. Was hat sich in deinem eigenen Alltag seit deiner Rückkehr verändert. Wie sieht dein Alltag jetzt aus? Also hast du ein anderes Verständnis zum Thema Wasser?
Belinda: Ja, also ich war immer schon ein sparsamer Mensch. Also ich würde sagen, ich habe nie was einfach laufen lassen und ich tue es auch nur, solange es wirklich notwendig ist. Und das Bewusstsein hatte ich schon, auch immer. Aber einfach diese Dankbarkeit für die kleinen Dinge im Leben und auch dieses, die Luxusprobleme, bei die wir uns immer beschweren. Also das steht einfach jetzt in einem ganz anderen Licht. Wenn man manchmal meint, das und das ist noch unzulänglich oder hier und da. passt irgendwas nicht, dann regen wir uns häufig über Dinge auf. Da würden die sich freuen, wenn sie das Problem hätten. ja, auch da... Ich hab ja auch eben schon mal gesagt, ja, Familienpolitik in Deutschland ist auch nicht so das Nonplusultra. Aber eine afrikanische Frau wird sich fragen, was ist Familienpolitik? Die ist froh, wenn sie ja nicht mehr den ganzen Tag für ihren Mann durch Afrika geschickt wird, Wasser zu suchen, während sie sich Wildtieren. zum Futter vorwirft. Also übertrieben jetzt natürlich gesagt, aber das sind halt ganz ganz andere Verhältnisse und auch hier einfach als Frau dem Mann gleichgestellt zu sein, das ist uns mittlerweile normal, sollte es auch sein, aber das ist es halt in vielen Teilen der Welt noch nicht und auch da darf ein Mann halt auch mehrere Frauen haben. Also der hat mehrere Frauen, der kann dann Montag bis Mittwoch auf keinen Hahn und Brot wandern. Allein das. ist ja was ganz anderes als hier. Und da ist auch auf dem Rückweg von der ersten Gemeinde, habe ich mich mit einem Lehrer unterhalten. Und das war auch nochmal richtig einschlägig, diese Unterhaltung, weil er dann meinte, ja, ob ich verheiratet bin, ob ich Kinder habe, weil ich ja schon so alt bin. Und dann habe ich gesagt, ja, ich bin verheiratet und ich habe tatsächlich ein Kind, aber für Deutschland, für deutsche Verhältnisse bin ich noch relativ jung, Mutter. Und ja, was sagt denn dein Mann dazu, dass du hier bist? Dann habe ich gesagt, der freut sich für mich. Also tatsächlich hätte ich ihn gar nicht fragen müssen, weil ich darf das so entscheiden. Aber ich habe es natürlich mit ihm organisiert, denn er muss sich ja jetzt um meine Tochter kümmern. Wie? Der Mann kümmert sich um das Kind. Muss der nicht jagen gehen? Nee, das funktioniert bei uns ein bisschen anders. Wie bekommt ihr denn euer Gemüse? Wir haben so ein kleines Beet im Garten, aber grundsätzlich kaufen wir das ein. Ich habe da nicht Supermarkt gesagt, sondern auf dem lokalen Markt. bekommen wir unsere Lebensmittel. Ja und tauscht ihr dann? Also wie bekommt ihr eure Lebensmittel? Da habe ich gesagt, ja wir bezahlen die mit Geld und für das Geld gehen wir arbeiten für jemand anderes. Da ist mir auch selbst bewusst geworden, wie kompliziert das eigentlich klingt. Und dann meinte er auch, ja ihr Deutschen, ihr seid wirklich kompliziert. Also ich sehe, wie macht ihr das denn hier? Ja wenn wir was brauchen, dann brauchen wir Geld. Und entweder wir bauen selber was an, was wir verkaufen oder unsere Frauen basteln irgendwas, was sie verkaufen oder wir gehen Ziegen fangen. Und dann eine Ziege ist irgendwie 10.000, ihr werdet die Währung vergessen, eine Ziege ist halt irgendwie was wert. Und dann gehen sie ins Gebirge, fangen sich eine Ziege und verkaufen die dann auf den Markt und haben sie wieder Geld und dann können sie sich das kaufen, was sie brauchen. Vieles wird natürlich direkt von ihnen auch selber gebaut. Die haben ja ihre Tiere, die haben ja das Fleisch, die machen daraus ja auch Milch, Käse etc. Verschiedene Dinge, die sie halt selber bauen. Aber es gibt natürlich auch hier und da mal neue Gerätschaften, Töpfe etc., die sie dann doch am Markt kaufen. ja, dafür gehen sie wohl Ziegen jagen. Ob das für jeden so ist, weiß ich nicht. Das war die Konversation. Aber auch da hat er dann gefragt, was denn die Eltern meines Mannes für mich bezahlt hätten. Wie was die für mich bezahlt haben. Nix. Bist du denn nichts wert? Und ich sage ja, bei uns läuft das ein bisschen anders. Die müssen mir nicht bezahlen, weil ich darf mir aussuchen, wen ich heirate. Ach krass. Ja und allein durch die Fragen ist mir nochmal bewusst geworden, wie krass unterschiedlich diese Welten sind. Also ja, diese Mitgift gibt es ja in vielen Kulturen, aber trotzdem, wenn du sagst, ja man muss mir nicht bezahlen, ich darf das aus freiem Willen. entscheiden, wie bist du denn expert? Also es war schon echt interessant und krass so zu hören, wie das Leben einer Frau da stattfindet und genau welche privaten Dinge wir hier genießen dürfen.
Thomas: Was möchtest du deiner Tochter später mal über die Reise und über die Verantwortung erzählen?
Belinda: Ja, dass es ein Privileg ist, wie wir hier aufwachsen und dass es nicht jedem so geht, aber vor allem auch, dass wir ganz, ganz viel tun können, damit es global besser wird, weil häufig hat man ja auch, ja es ist nur ein Tropfen auf einem heißen Stein, ein Mensch kann die Welt nicht retten. Ja, stimmt, aber wenn wir uns alle zusammentun, dann können wir doch ganz viel erreichen. Und wir hatten jetzt vor ein paar Tagen noch eine Stiftungssitzung und haben mittlerweile 31.000 Menschen an Wasser angeschlossen. 31.000 Menschen in den letzten zehn Jahren. Das ist natürlich noch ein Tropfen auf den heißen Stein im Verhältnis zu den Hunderttausenden, die noch kein Wasser haben. Aber es ist halt der Impact, den wir als kleines Familienunternehmen tragen können. Ich glaube, wenn sich da noch mehr Unternehmen auch anschließen oder auch Privatspender, die sonst nicht wissen, wie sie für den guten Zweck was tun können, dann kann man einfach ganz, ganz viel tun. Und wenn man das gescheit macht, und das macht unsere Partnerorganisation vor Ort, dann können wir halt auch mit einem Euro, den wir hier aktiv reinstecken, einen Mehrwert von 70 Euro generieren. Durch die Langfristigkeit, wie das ganze Projekt angelegt ist. Und das finde ich halt auch super schön, dass wir da einfach sehr, sehr viel Macht haben, Einfluss haben, positiven Einfluss. Und ich möchte meiner Tochter natürlich auch vorleben, einerseits Verantwortung zu übernehmen und auch so ein bisschen... diesen Respekt vor der Natur und den Respekt dessen, dass wir einfach Teil eines Systems sind. Das wurde mir in Afrika auch nochmal bewusst, weil hier hat sich der Mensch halt über alles gestellt und kann halt alles irgendwie durch Technologie oder was weiß ich ausgleichen, dass wir eigentlich mit 1 zu 1 Tieren unterlegen wären. Und da ist es halt anders, da trifft halt 1 auf 1 und da ist der Mensch wieder nur Teil der Nahrungskette. Und dass wir wieder lernen im Einklang mit der Natur zu leben. Man muss sie nicht unterwerfen, man darf sein Intellekt auch nutzen, aber dass man einfach mit den Ressourcen ein bisschen respektvoll umgeht. Deswegen ist mir auch wichtig, dass wir im Garten selber Gemüse anbauen. Sie sieht, das kommt nicht aus dem Supermarkt. So eine Pflanze braucht viel Liebe, viel Aufmerksamkeit. Alles was fruchten muss, braucht Geduld. Also da versuche ich auch immer mal Impulse zu setzen, dass sie eben auch lernt, ja Teil von etwas Großem zu sein und nicht, sich die Welt nur sie dreht, wie es auch im Waldkindergarten ist, das finde ich halt auch superschön, dass sie dann auch die gleichen Werte vermitteln, dass sie auch lernen mit Tieren umzugehen, dass es normal ist, Tiere zu respektieren und sich darum zu kümmern, dass es auch wichtig ist, eine gewisse Routine im Alltag zu haben und gewisse Aufgaben erledigt werden müssen. Das ist mir wichtig, aber eben auch einfach für seine Träume loszugehen. Also mein Tag ist ja ziemlich voll. Natürlich mache ich mir auch manchmal Vorwürfe, dass ich da nicht so viel vielleicht für sie da bin, wie ich es gerne wäre. Aber auf der anderen Seite denke ich mir halt auch, ich lebe ja aber auch trotzdem vor, das zu machen, was mich erfüllt. Und wenn ich jetzt halt nur zu Hause wäre und nicht die Dinge tun würde, die mich erfüllen, wäre ich wahrscheinlich auch nicht die authentische Mutter, die ich bin. Auch wenn es mich manchmal sehr stark fordert, habe ich halt gemerkt, in der Elternzeit, wenn ich nur zu Hause bin, bin ich halt auch nicht glücklich. Und dann bin ich halt auch einfach nicht die Mutter, die sie sich auch letztlich ausgesucht hat. Weil ich glaube irgendwie auch daran, dass Kinder ja bei uns inkarnieren und sich das irgendwie aussuchen, dass sie so gefühlt im Himmel eine Karte ziehen. So das Level will ich. Und dann denke ich mir halt auch, ja, sie hat sich das halt ausgesucht. Sie wollte halt zu uns. Und mein Leben war ja vorher auch schon ziemlich busy, ich bin viel gereist, hab ja immer mich für vieles begeistern können. dann denk ich mir, dann wär sie ja so voll beleidigt. Dann sucht sie sich so einen Travel Junkie und dann ist sie da und wir sind nur noch zu Hause. Dann denkt sie sich auch so, hä? Voll der Reinfall, ich hab doch ne andere Karte gezogen. Und das ist so bisschen das Bild, was ich mir manchmal gebe, wenn ich denke, ich bin irgendwie nicht gut genug oder nicht gut genug für sie da. Ich versuch dann einfach die Zeit, die wir haben. qualitativ so gut wie möglich zu gestalten und ihr eben trotzdem unterbewusst vorzuleben, dass wir als Frauen alles erreichen können, was wir wollen und dass wir unser Leben einfach aktiv gestalten können und sie nicht von unseren Rollen unterkriegen lassen. Natürlich respektvoll, verantwortungsbewusst damit umgehen, aber ich möchte hier schon auch vorleben, dass sie in dem Leben machen und sein kann, was sie möchte und deswegen mache ich es auch.
Thomas: Normalerweise würde ich jetzt wieder zurück zu meiner normalen Fragenstruktur kommen. Aber ich glaube, auch wenn wir jetzt schon über der Zeit sind, muss ich nämlich, glaube ich, wirklich einen Cut machen. Ich möchte auf jeden Fall nochmal, also wenn noch jemand weitere Infos haben möchte, das mache ich auch eigentlich nie, dann... soll er gerne mal auf die Cup&Cino Seite gehen und sich mal die Seite der Foundation angucken. Ich finde das sehr faszinierend, was da gemacht wird und was da unterstützt wird. Und das kann ich euch allen nur ans Herz legen. Liebe Belinda, ich danke dir sehr für diese Einblicke, für deine Zeit. Diese Folge ist, also alle Folgen sind einmalig, aber ich finde diese hat nochmal einen ganz besonderen Stellenwert gerade für mich. Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und die Einblicke gegeben hast in diese einmalige Reise, die du da getätigt hast.
Belinda: Sehr, gern. Vielen Dank, dass ich hier sein durfte und natürlich auch für den Werbeblock, um den ich dich nicht gebeten hatte. Ich kann wirklich sagen, dass das wirklich eine Herzensangelegenheit ist. Und es geht da auch nicht um Cup&Cino und es geht auch nicht um mich, sondern es geht um den Impact, den wir vor Ort für die Menschen kreieren können.
Thomas: Nein. Ja, und damit sind wir auch am Ende dieser ganz besonderen heutigen Folge angekommen. Vielen lieben Dank, dass du heute wieder dabei warst. Wenn dich die Geschichte berührt hat, wenn du dich an der einen oder anderen Stelle wiedergefunden hast oder jemand kennst, der genau diese Folge gerade hören sollte, dann teilt sie bitte auf jeden Fall. Und falls du gerade zugehört hast oder zuschaust und denkst, eigentlich habe ich auch eine Geschichte zu erzählen, dann melde dich sehr gerne bei mir. Ich suche keine perfekten Lebensläufe, keine Bühnenmenschen und keine großen Titel. Ich suche echte Menschen mit echten Geschichten. Danke, dass du heute dabei warst und bis zur nächsten Folge von LeichtLos.
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