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Folge 22 · Psyche & Selbstbild

18 Gespräche, 26 Minuten, kein Jubiläum

Für diese Folge gibt es keinen besonderen Anlass. Kein Jubiläum, keine runde Folgenzahl und keinen Meilenstein.

18.08.2026 26:06 Min

Worum es geht

Es gibt keinen Grund für diese Folge. Kein Jubiläum, keine runde Zahl, kein Jahrestag. Es gab nur das Bedürfnis, noch einmal auf die Menschen zu hören, die in den ersten 21 Folgen von LeichtLos erzählt haben, wie es ihnen wirklich ging — und daraus 26 Minuten zu machen.

Zu hören sind achtzehn Stimmen aus den Folgen 2 bis 21. Eine Frau, die ihren sicheren Job gekündigt hat und danach drei Jahre lang auf derselben Stelle stand. Ein Mann, der zwanzig Jahre lang Schmerzen hatte, bei dem aber nie jemand etwas fand. Ein Krankenpfleger, der seine erste Panikattacke allein auf dem Sofa bekam und dachte, er habe einen Herzinfarkt. Eine Sportlerin, die als Vierzehnjährige mit einer Sporttasche für zwei Wochen nach Deutschland kam und dann blieb. Eine Polizistin, die vierzig Jahre gedient hat und sich anschließend fragte, wofür.

Was diese Gespräche verbindet, ist weniger ein Thema als eine Tonlage. Es geht um Selbstzweifel, um Erschöpfung, um Angst- und Panikattacken, um Sucht, um chronische Beschwerden, um Familien, in denen jemand belächelt wird, und um Entscheidungen, die etwas gekostet haben. Es geht fast nie darum, dass am Ende alles gut ist. Thomas Müller formuliert es in dieser Folge selbst so: „Eine Entscheidung löst nicht automatisch das Problem, nur weil jemand sagt, bis hierhin und nicht weiter, ist am nächsten Morgen nicht plötzlich alles gut.“

Für alle, die den Podcast noch nicht kennen, ist dieser Zusammenschnitt der praktischste Einstieg: 26 Minuten statt fünfzig, achtzehn Biografien statt einer, kein Vorwissen nötig. Man hört in kurzer Folge, wie unterschiedlich die Anlässe sind — eine Diagnose, eine Trennung, ein Kind, das in der Schule nicht mehr zurechtkommt, eine Pensionierung, ein Job, der den ganzen Menschen frisst — und wie ähnlich sich die Fragen dahinter sind.

Eine davon stellt der Podcast in fast jeder Folge, ohne sie je zu beantworten: Muss man eigentlich erst ganz unten angekommen sein, bevor man etwas anderes anfangen darf? Wer nach diesen 26 Minuten weiterhören will, findet unter jeder Stimme die dazugehörige Folge — dort wird nichts abgekürzt.

*(346 Wörter.)*

Transkript

36 Abschnitte, rund 3.9k Wörter. Klick auf eine Zeitmarke, um an die Stelle zu springen. Automatisch erzeugt und redaktionell korrigiert.

So will ich nicht enden. Ich war eine Marionette. Ich hab mir quasi mein eigenes Gefängnis gebaut oder mein eigenen Käfig. Ich saß da am Laptop am Krankenbett und dachte, was mache ich hier eigentlich? Mein Körper ist mein Zuhause. Heute schaffe ich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von LeichtLos. Schön, dass du heute wieder dabei bist. Egal, ob gerade im Auto, beim Spazieren gehen, im Gym, auf dem Sofa oder irgendwo mitten im Alltag.
Diese Folge ist ein bisschen anders und eigentlich gibt es dafür nicht mal einen richtigen Anlass. Keine Jubiläumsfolge, kein einjähriges, es ist keine runde Folgenzahl und es gibt auch keinen besonderen Meilenstein, den ich heute unbedingt feiern müsste. Ich hatte einfach irgendwann diesen Gedanken, da sitzen mittlerweile so viele Menschen in diesem Podcast, Menschen, mit denen ich teilweise vorher noch nie gesprochen hatte. Menschen, deren Geschichten ich nicht kannte und Menschen, bei denen während eines Gesprächs plötzlich Sätze gefallen sind, die bei mir hängen geblieben sind. Es sind Sätze, die manchmal nur ein paar Sekunden dauern, aber hinter diesen paar Sekunden steckt häufig ein ganzes Leben. Und irgendwann hatte ich einfach Lust, genau diese Momente einmal zusammenzubringen. Nicht als klassisches Best of, nicht nach dem Motto die Ware, das waren die lustigsten und erfolgreichsten und spektakulärsten Momente, sondern als eine gemeinsame Geschichte. Denn obwohl die 18 Menschen, die du in dieser Folge hören wirst, komplette unterschiedliche Leben führen, unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und an ganz unterschiedlichen Punkten stehen, habe ich beim Zurückschauen etwas gemerkt. Ganz viele dieser Geschichten beginnen an einem ähnlichen Punkt, bei dem, dass irgendetwas nicht mehr stimmt, dass man funktioniert, obwohl man eigentlich müde ist, dass man Dinge aushält, von denen man irgendwann gar nicht mehr merkt, dass sie einen belasten, dass man versucht Erwartungen zu erfüllen, dass man stark sein möchte, dass man für andere da ist oder dass man einfach so lange weitermacht, bis Körper oder Kopf irgendwann sagt, jetzt reicht es. Und genauso unterschiedlich, wie diese Geschichten beginnen, gibt es irgendwann bei fast allen diesen einen Moment.
Manchmal ist er laut, manchmal unspektakulär, ein Gedanke am Fenster, ein Krankenbett, ein Arbeitsalltag, ein Gespräch oder einfach dieser eine Satz im Kopf, so will ich nicht weitermachen. Genau darum geht es in dieser Folge, nicht darum, dass die Menschen heute alle angekommen wären. Das sind sie nicht. Und das ist eigentlich auch schon das Schöne daran.
Es sind Menschen mitten im Leben mit Zweifeln, mit Rückschlägen, Entwicklungen und mit Dingen, an denen sie vielleicht bis heute arbeiten. Aber jeder von ihnen hat irgendwann angefangen, genau einzuschauen auf das eigene Leben, auf den eigenen Körper, Entscheidungen, Grenzen und irgendwann auch auf die vielleicht schwierigste Frage überhaupt: Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht mehr nur versuche zu funktionieren? Ich habe versucht aus diesen 18 Gesprächen eine gemeinsame Reise zu bauen vom Funktionieren über die Momente, in denen etwas zerbricht über Entscheidungen bis hin zu der Frage, was passieren kann, wenn man Stück für Stück wieder anfängt, das eigene Leben in die eigene Hand zu nehmen.
Vielleicht erkennst du dich in keiner dieser Geschichten wieder, vielleicht aber auch in mehreren. Vielleicht bleibt am Ende nur ein einziger Satz bei dir hängen. Dann hat sich diese Folge für mich schon gelohnt. Gerade als die Kinder noch klein waren und ich wenig geschlafen habe, aber dann natürlich trotzdem in die Schule gegangen bin, habe ich gemerkt, dass ich manchmal dieses nicht gut drauf sein an diesen Schülern ausgelassen habe. Und klar saß ich dann manchmal im Auto danach und habe gedacht, bo in dieser Situation hättest du echt anders handeln müssen müssen, weil du weißt nicht, welche Geschichte dieser Schüler jetzt mitbringt und das kann sich nicht stimmig anfühlen. Das kann sich für keinen stimmig anfühlen, ne, wenn man denkt, man behandelt andere ungerecht, wenn du über 20 Jahre aktiv versuchst, eine Lösung zu finden, weil es ist ja nicht so, dass ich nichts versucht habe.
Ähm, bin von Arzt zu Arzt gerannt, wirklich und und keiner konnte mir wirklich helfen und ähm ja und irgendwann verlierst du dann halt auch die Hoffnung da, dass es irgendwann besser wird und dann lernst du einfach irgendwo mit den Schmerzen zu leben und hältst es dann auf normal und dann gewöhnst du dich daran. So ist es dann leider. Hört sich nicht cool an, war es auch nicht, aber für mich war das dann einfach das Normal übers viele, viele Jahre. Das hat halt unheimlich viel mit mir gemacht, dass ich halt anders bin, anders war als meine Mitschüler, Trauer, Enttäuschung, Wut auch, warum mir das Ganze hier passieren muss, warum ich nicht einfach normal sein kann, so wie alle anderen auch, warum es mich quasi äh getroffen hat. Also, ich würde sagen, es ist so eine Kombination aus beiden.
Also, ich musste stark werden, weil ich so oft verletzt worden bin. Ich musste dann halt stark werden, um nicht alles an mich ranzulassen. Mir halt einfach auch so eine Art gewissen Panzer zuzuziehen, dass es mich dann halt nicht trifft. Was hat mich halt unheimlich verletzt, aber stark gemacht. Ja, natürlich. Ich habe immer gedacht, ähm es liegt an mir, ich bin schuld. Ich bin schuld, ähm, dass ähm, dass mich die Menschen nicht mögen.
Ich bin schuld, dass äh die Menschen ähm sich von mir abwenden. Und ja, in einer Art und Weise war ich es auch, denn ich war nicht mal fair zu den Leuten und ich war immer sehr hart. Ich habe gedacht, mit Härte funktioniert das alles. Ich hätte geschaut, was du gerade in dem Moment von mir erwartest und das hätte ich getan, um dir zu gefallen. Du hättest im Endeffekt alles machen können und ich hätte es getan nur um dir in dem Moment zu gefallen. Ich mir selber damit gefalle, ob es mir gut tut, verstand auf dem anderen Wattpapier. Das war mir aber in dem Moment gar nicht klar, weil mir hat's ja einfach nur gefallen, dass ich diesen Menschen gefallen habe. Ich war über 10 Jahre lang wirklich, also stark alkoholabhängig. Ich hatte tatsächlich jeden Tag getrunken. Irgendwann war es so, dann war es für mich ein Problemlöser geworden. Ich habe dann halt abends getrunken, damit ich endlich zur Ruhe komme, damit ich irgendwie in Schlaf komme, damit das Gedankenkarussell mit, wie geht's weiter, wie kriegen wir das hin mit zwei Kindern zu wenig Geld, Schulden, da muss doch noch mehr sein. Also all diese ganzen Sachen habe ich dann halt einfach versucht abends stumm zu schalten, Gefühle stumm zu schalten und so bin ich da reingerutscht und dann stand ich am Fenster und habe mich gefragt, wie es sein kann, dass mein Leben mir so unterm Arsch wegbricht. Das jetzt mal so.
Wie wie ist denn das möglich überhaupt? Und dann ist mir in den Sinn gekommen, dass es ja schon auch ein bisschen merkwürdig ist, dass jemand anderes eine Entscheidung für sich trifft, nämlich die Beziehung und die Familie zu verlassen und mein Leben gerät aus den Fugen, obwohl jemand anderes eine Entscheidung trifft. Und da habe ich da bin ich drüber gestolpert und habe gedacht, das ist ja das ja eine richtige Abhängigkeit. Also meid ich diese Situation und du kannst dir vorstellen, wenn du jetzt, ich fahre jetzt nicht mehr auf Arbeit, ich fahre nicht mehr zu meinem besten Freund, ich gehe nicht mehr einkaufen, ich gehe da und da nicht mehr hin, weil da habe ich dieses Gefühl gehabt, will ich nicht mehr, der Kreis wird immer enger.
Und wo habe ich mich am Ende dann nur noch aufgehalten? Zu Hause in den vier Wänden. Ich habe mir quasi mein eigenes Gefängnis gebaut oder mein eigenen Käfig. Mein Sohn hatte insbesondere in diesem Jahr äh eine sehr schwere Zeit. Ähm und ähm er musste ins Krankenhaus, konnte es mir nicht leisten, Kind krank zu machen. Ich habe den Laptop mit ins Krankenhaus genommen und immer wenn mein Sohn geschlafen hat, habe ich gearbeitet und ich saß da am Laptop am Krankenbett und dachte, was mache ich hier eigentlich? Bin ich denn völlig bescheuert? Das kann es doch irgendwo nicht sein.
Und das war für mich so ein einschneidendes Erlebnis, dass ich für mich gesagt habe, das das will ich so nicht mehr. Ich möchte mehr vom Leben und diesmal gehe ich für uns beide los, für meinen Sohn und für mich. Ich weiß einen Moment, wo ich in der Behandlung war saß und diese Sauger in der Hand hatte und dachte mir nur so, so will ich nicht enden. Also, ich will mein Leben lang nicht hier sitzen und meine Zeit verschwenden, indem ich hier ja sitze und Sorger in der Hand festhalte. Ich will nützlich sein. Ich will ich will den den Leuten was mitgeben, was wirklich Gesundheit bedeutet, ne? Ähm und das war dann so, wo es Klick gemacht hat und gesagt hat: "Ey, ich muss was verändern. Ich muss jetzt ähm loslegen und Ernährungsberatung ist genau das, was ich will. Ich habe mir das sehr, sehr lange tatsächlich gefallen lassen und ähm dann ja kam es irgendwann zu einem Moment bei der oder in der Firma, dass ich gesagt habe, okay, bis hierhin und nicht weiter. Ähm weil ähm das ist mein Leben und äh ich möchte das so nicht und habe dann tatsächlich den Entschluss gefasst zu kündigen und das war aber jetzt im Nachgang betrachtet wirklich die beste Entscheidung meines Lebens. Ich hatte einen ganz ganz großen Einbruch, wo ich wirklich auch kurz davor war zu sagen, ich schaffe das nicht mehr und ich möchte das nicht mehr. Da war es tatsächlich so, dass ich ähm eine Struktur aufgebaut habe, dass ich ein Team aufgebaut habe und ähm dass ich gemerkt habe, dass es gerade ans Laufen kommt und dann ist mir diese komplette Struktur quasi zusammengebrochen und es hat dann auch ein paar Wochen gedauert, bis ich wirklich wieder mich gefangen hatte und gedacht habe so, ja, okay, nee, ich mache jetzt doch weiter. Und ich irgendwann verstanden habe, dass ich mein Warum brauche, warum und wofür mache ich das ja eigentlich? Und als ich dieses Warum für mich wieder hatte, war es einfacher wieder loszugehen. Ich habe gelernt, dass ich eigentlich bisher alles immer richtig gemacht habe. Ich habe es immer richtig gemacht für die anderen. Ich habe es aber nie richtig gemacht für mich. Ich habe für mich immer nicht genug Zeit gehabt und habe es immer so abgetan als so muss das. Und dieses so muss das gibt's bei mir nicht mehr. Mir ist wichtig, dass auch ich wichtig bin.
Wenn man diese Geschichten so hintereinander hört, merkt man erst einmal, wie unterschiedliche Überforderung aussehen kann. Bei einem Menschen sind es Schmerzen, bei einem anderen das Gefühl, es allen recht machen zu müssen. Bei jemand anderem ist es Angst, Erschöpfung, Abhängigkeit oder einfach dieses diffuse Gefühl, dass man zwar jeden Morgen aufsteht, sein Alltag erledigt und nach außen vielleicht sogar völlig normal wirkt, aber innerlich längst nicht mehr wirklich da ist. Ich glaube, genau das ist das Schwierige daran. Viele dieser Situationen erkennt von außen niemand.
Man funktioniert ja. Man geht arbeiten, man kümmert sich um die Familie, man beantwortet Nachrichten, man erledigt Termine, man lacht vielleicht sogar. Und irgendwann wird dieser Zustand so normal, dass man selbst kaum noch merkt, dass etwas nicht stimmt. Man gewöhnt sich an Schmerzen, man gewöhnt sich an den Stress. Und man gewöhnt sich daran, sich selbst hinten anzustellen. Und manchmal gewöhnt man sich sogar an ein Leben, von dem man irgendwann mal gedacht hätte, so möchte ich niemals leben. Und dann gibt es irgendwann diesen einen Punkt, an dem etwas kippt.
Nicht immer kommt plötzlich der große Mut. Manchmal ist es sogar genau das Gegenteil. Vielleicht ist man einfach nur müde genug, verletzt, frustriert. oder ehrlich genug zu sich selbst, um zu sagen, ich weiß gerade noch überhaupt nicht, wie es anders funktionieren soll, aber ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann. Und genau da beginnt für viele dieser Menschen eigentliche Veränderung.
Ich mache doch schon alles. Ich mache doch schon diese Meditation und ich mache schon dies und das. Nichts funktioniert bei mir in diesem Leben. Ich bin einfach nicht gut genug. Ich bin einfach zu schlecht und das war's. Ich habe innerlich quasi so ein bisschen aufgegeben. Mach dir einfach bewusst, dass dein Wert eben nicht davon abhängt.
Das Leben läuft niemals geradeaus. Aber was immer geradeaus läuft, ist dein Wert. Dein Wert läuft immer geradeaus. Du bist immer wertvoll und du bist so wertvoll für deine Familie, für die Menschen um dich rum. Es gab halt bei uns einmal so in der Kindheit, da gab's immer so eine feste Clique und ich war eigentlich immer so der der außen vor stand und musste immer so ein bisschen in ins Extrem gehen, um so einen gewissen Hauch an Anerkennung zu bekommen und das hat sich bei mir natürlich irgendwann manifestiert, ne?
Du musst was leisten. Du musst besonders sein und dich hervorheben, um diese Anerkennung zu bekommen. Und ich durfte für mich lernen, dass ich gut bin so wie ich bin, dass ich Qualitäten und Werte habe, die nicht sich daraus ergeben, wie krass oder wie extrem ich sein kann. Was mir so leicht gefehlt hat, ist die Bestätigung, dass man so gut ist, wie man halt ist und ohne etwas leisten zu müssen, gut ist. Dieser Baustein, der hat mir gefehlt und dieses Selbstbewusstsein habe ich nie aufgebaut, dass ich einfach gut bin, wie ich bin. Und deswegen habe ich immer gedacht, ich muss leisten, ich muss stark sein, ich muss für andere bequem sein, damit ich Anerkennung bekomme. Ja, das ist mein täglicher Struggle. Also, ich muss, also das ist wirklich nicht einfach so für eine Person, die nicht auffallen möchte. Das war mein altes Ich, das gerade, glaube ich, komplett neu geboren wird, weil anders geht es nicht. Das ist so ähm eine wirklich krasse Lebensschule, eine wirklich Mindsetschule vom Feinsten, weil du eigentlich immer wieder nur mit dir selbst konfrontiert bist. Das ist wirklich: Wer bist du? Diese Frage stellt man sich einfach dann immer wieder: Wer bin ich oder wer möchte ich sein?
Um mich herum ist ja alles veränderbar. In mir war immer so dieses, es kann von heute auf morgen kann das weg sein und wo finde ich Halt, wo finde ich äh Sicherheit? Ja, das hat mich ganz lange beschäftigt. Das hat mir diesen Halt gegeben, aber ich habe das noch nicht so für mich verarbeitet. Okay, das ist dann meins. Das kam später. Und ähm das das war das war letztendlich doch ein langer Weg, das für sich zu erkennen. Okay, ich bin mein Körper ist mein Zuhause und ähm und dieses entwurzelt werden oder umziehen quasi tut das erste Mal weh.
Das war für mich so mein meine Erkenntnis, dass man sich selber verliert. Das ist, glaube ich, ganz oft die Herausforderung, wenn man bei sich selbst ist und in sich selbst reinfühlen kann, was brauche ich eigentlich gerade? Welches Gefühl ist da gerade in mir und was brauche ich jetzt, damit es mir besser geht? Was ich an diesen Gesprächen immer wieder spannend finde, wir erzählen Veränderungen im Nachhinein häufig sehr ordentlich.
Da war das Problem, da kam die Entscheidung, dann ging alles bergauf. Wenn man mittendrin steckt, fühlt es sich aber meistens überhaupt nicht so an. Eine Entscheidung löst nicht automatisch das Problem, nur weil jemand sagt, bis hierhin und nicht weiter, ist am nächsten Morgen nicht plötzlich alles gut. Die Angst ist noch da oder die Zweifel, vor allem die Vergangenheit.
Und manchmal merkt man sogar erst nach einer Entscheidung, wie viel eigentlich darunter liegt, wie viele Dinge man jahrelang geglaubt hat über sich selbst, den eigenen Wert und darüber, was man leisten muss, damit andere einen mögen. Darüber, wie stark man sein muss, was man aushalten können sollte oder wie ein richtiges Leben angeblich auszusehen hat. Vielleicht ist deshalb der erste Schritt auch gar nicht sofort ein komplett neues Leben aufzubauen.
Vielleicht besteht der erste Schritt darin aufzuhören, ständig gegen sich selbst zu arbeiten, sich selbst wieder zuzuhören und zu merken, das hier tut mir nicht gut, das hier möchte ich nicht mehr, hier brauche ich eine Grenze oder hier brauche ich Hilfe und vielleicht auch irgendwann zu akzeptieren, ich muss nicht genauso funktionieren wie alle anderen. Ich darf meinen eigenen Weg finden. Und genau damit beginnt der nächste Teil dieser Folge. Nicht mit der Frage, wie werde ich erfolgreicher, sondern mit einer viel grundlegenderen Frage. Wie finde ich eigentlich wieder zu mir selbst?
Ich werde ja auf jeden Fall 100, das sind 40 Jahre und ich habe überlegt, was war denn vor 40 Jahren? Da war ich gerade 20 und diese Zeitspanne von 20 bis jetzt, die habe ich noch. Was ist das für eine mega geile Zeit? Und außerdem lohnt sich jede fucking Minute, die wir geschenkt kriegen und weil du kriegst jeden Morgen ein jeden Tag ein Geschenk und du kannst selber gucken, was du draus machst.
Also erstmal durfte ich lernen, dass Rückschläge Umwege sind. Also für mich gibt's nicht mehr wirklich Rückschläge, sondern für mich sind es wirklich einfach nur Umwege. Und m, dass es gerade mit dem Business nicht weitergeht, dann geht's mit meinem Mindset weiter, ich wahnsinnig stolz sein kann, was ich in meinem Leben erreicht habe von diesem Moment, ja, wo diese ganze Operation, diese ganze Odyssee, sage ich mal, im Krankenhaus gestartet hat und jetzt finde ich das ist so ein ja Schwarz-Weiß-Bild, also das ist jetzt absolute Powerfrau. Hab einen tollen Mann gefunden, der mich liebt und auch meinem Backen akzeptiert. Und ich finde, da darf die Jasmin ganz ganz stolz auf sich selber sein. Mein Ziel ist zu allererst, dass mein Wecker ausbleiben kann.
Mein Ziel ist, dass ich meinen Tag mit Leichtigkeit gestalten kann, wie ich es möchte und nicht wie ich es muss. Es gibt genug Dinge, die ich als Mama tun muss, aber ich als Mensch wünsche mir für mich mehr Leichtigkeit durch Entscheidungen, die ich treffen kann, nicht Entscheidungen, die mir vorgesetzt wurden. Das ist Leichtigkeit für mich.
ein selbstbestimmtes Leben und Freiheit, das ist Leichtigkeit und das ist etwas, was ich mir wirklich sehnlichst wünsche, nicht mehr vorprogrammiert zu sein und nicht mehr zu müssen, sondern alles zu dürfen und zu können, was für mich und meine Familie wichtig ist. Ja, dass es ein Privileg ist, wie wir hier aufwachsen und dass es nicht jedem so geht, aber vor allem auch, dass wir ganz ganz viel tun können, damit es global besser wird, weil häufig hat man ja auch ja, es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, so ein Mensch kann die Welt nicht retten. Ja, stimmt. Aber wenn wir uns halt zusammentun, dann können wir doch ganz viel erreichen.
Setz alles auf eine Karte und die Karte bist du. Also, setz alles auf dich. Ich habe anderen viel mehr Credits gegeben als mir selber. Deswegen setz alles auf eine Karte und diese Karte bist du selber. Also setzt alles auf all dich. Ich hatte mir so kleine Steine geholt und eine schöne Vase und dann war mein Mantra geboren. Heute schaffe ich. Ich hatte diesen Stein in der Hosentasche und obwohl ich im Einzelhandel gearbeitet habe und trotzdem jeden Tag Kontakt hatte mit Alkohol, aber ich muss nüchtern in das Jahr 2024 reingehen. Heute schaffe ich, der Stein geht ins Glas.
Heute schaffe ich, der Stein geht ins Glas. So habe ich es geschafft, indem ich nicht 30, 60, 90 Tage, ein Jahr gedacht habe, sondern halt immer nur heute. Ich würde nicht sagen, hör auf, weil das weiß man. Ich würde sagen, meine Liebe, da draußen wartet so ein geiles Leben auf dich. Du hast alles selber in der Hand und du bist stark und du wirst das erreichen, weil du wirst in deinem Leben schon so viel geschafft haben und das schaffst du auch noch. Wenn du einen nach dem anderen schaffst, dann hast du irgendwann 30, 60, 90 Tage und irgendwann wie in meinem Fall über 900 Tage nüchtern und du wirst nicht einen einzigen Tag in deinem Leben bereuen, den du nüchtern warst.
18 Menschen, 18 Gespräche, 18 Leben, von denen ich wahrscheinlich nur einen kleinen Teil kennenlernen durfte. Und wenn ich ehrlich bin, finde ich es selbst ziemlich beeindruckend, was entsteht, wenn man diese Geschichten einmal nicht als einzelne Podcast-Folge betrachtet. Denn natürlich sind die Lebenswege komplett unterschiedlich.
Einige Geschichten handeln von Gesundheit, andere von Familie, Arbeit, Selbstwert, Unabhängigkeit, Angst, Verlust, Freiheit, Verantwortung und bei manchen vielleicht einfach nur von diesem Gefühl, dass im eigenen Leben noch etwas fehlt. Aber unter all diesen Unterschieden steckt etwas, das sich erstaunlich ähnlich anhört. Es gibt diesen Punkt, an dem ein Mensch merkt: Ich möchte nicht mehr einfach nur weitermachen.
Und danach beginnt selten sofort das perfekte Leben. Danach beginnt meistens erstmal ein Weg mit Unsicherheit, mit Umwegen, Momenten, in denen man wieder zweifelt, Tagen, an denen man zurückfällt und mit kleinen Entscheidungen, die von außen vielleicht überhaupt nicht spektakulär aussehen. Aber irgendwann verändern genau diese Entscheidungen etwas. Bis hierhin und nicht weiter. Ich möchte mehr vom Leben. Ich bin gut, wie ich bin. Mein Körper ist mein Zuhause.
Setzt alles auf dich oder vielleicht der schlichteste Satz von allen. Heute schaffe ich. Als ich angefangen habe, LeichtLos zu machen, wollte ich Geschichten erzählen. Nicht die perfekten, nicht nur die erfolgreichen und auch nicht nur die, bei denen am Ende alles sauber aufgelöst ist, sondern Geschichten von Menschen mitten im Leben. Und genau deshalb wollte ich diese Folge heute machen, ohne Jubiläum, ohne Jahrestag, ohne irgendeinen besonderen Anlass, einfach, weil ich irgendwann das Gefühl hatte, diese Stimmen gehören einmal zusammen.
Und wenn ich aus diesen 18 Gesprächen für mich persönlich etwas mitnehme, dann vielleicht genau das. Ein Leben muss nicht erst komplett auseinanderfallen, bevor man etwas verändern darf. Man muss nicht erst am Tiefpunkt angekommen sein, um eine andere Richtung einzuschlagen. Man darf auch irgendwann einfach feststellen, das hier passt nicht mehr zu mir oder da wartet vielleicht noch etwas auf mich und dann darf man losgehen. Nicht perfekt, auch nicht ohne Angst und vielleicht auch erst einmal nur für heute. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal danke sagen an Mandy, Yvonne, Rabea, Patrycja, Thomas, Mema, Benny, Maike, Tobias, Alina, Sarah, Meike, Ana, Viktoria, Tanja, Jasmin, Belinda und Vanessa.
Danke, dass ihr euch hingesetzt habt, dass ihr Fragen beantwortet habt, bei denen ihr vorher vielleicht nicht wusstet, wohin sie führen, dass ihr Dinge erzählt habt, die nicht selbstverständlich sind und dass ihr damit ermöglicht habt, dass vielleicht irgendwo gerade ein Mensch zuhört und merkt, okay, ich bin mit diesem Gedanken nicht alleine.
Und natürlich auch danke an dich, dass du diese Folge bis hierhin gehört oder gesehen hast. Vielleicht gab es heute eine Geschichte, die dich besonders getroffen hat. Vielleicht ein Satz. Vielleicht möchtest du jetzt eine dieser vollständigen Folgen hören, weil du wissen willst, was hinter diesen wenigen Minuten noch alles steckt. Dann findest du natürlich alle Gespräche hier bei LeichtLos. Und wenn du selbst eine Geschichte hast, von der du glaubst, dass sie hier erzählt werden sollte oder jemanden kennst, bei dem ich unbedingt einmal genauer zuhören sollte, dann melde dich gerne bei mir, denn wahrscheinlich sitzen da draußen noch sehr viele Geschichten, von denen wir bisher überhaupt nichts wissen. Und vielleicht ist genau deine irgendwann eine davon.
Danke fürs Zuschauen und danke fürs Zuhören. Bis zur nächsten Folge von LeichtLos.