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Folge 23 · Körper & Diagnose · Vorschau

Behandelt wegen einer Diagnose, die nicht stimmte

Seine Kindheit ist geprägt von Vernachlässigung, strengen Regeln und dem Gefühl, dass das eigene Leben auch anders aussehen kann. Schon früh entsteht in ihm ein Gedanke, der ihn bis heute begleitet: „So will ich nicht leben.“

erscheint am 1. September 2026 mit Stefan

Diese Folge ist noch nicht erschienen. Ab dem 1. September 2026 gibt es sie hier zum Hören, mit Video und Transkript.

Worum es geht

Ein Kollege steht direkt neben ihm in der Feuerwache und fragt, ob alles in Ordnung sei. Stefan Simon – 24 Jahre Berufsfeuerwehr Salzgitter, Lehrrettungsassistent – schaut hoch und sieht eine Silhouette, sonst nichts. Kein Gesicht, keine Züge. Es ist August 2012, er sitzt im Büro und erstellt Ausbildungsunterlagen. Der Kollege fragt, ob er betrunken sei. Noch am selben Tag steht auf einem Einweisungsschein der Vermerk „Ausschluss Tumor“.

Ein Tumor ist es nicht. Es ist eine Entzündung des Sehnervs am rechten Auge – laut den Ärzten oft der erste Schritt in Richtung einer Autoimmunerkrankung. Es folgen hochdosiertes Kortison, tägliche Spritzen, dann in der Medizinischen Hochschule Hannover die Diagnose Neuromyelitis optica, angesiedelt am Stammhirn, mit der Aussicht auf eine Atemlähmung. Alle vier Wochen Infusion, zehn Jahre lang, jedes Mal ein anderer Arzt. Parallel dazu: Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, die niemanden interessieren, weil ja klar zu sein scheint, woher alles kommt.

Im Dezember 2022 kann Stefan die Treppe nicht mehr hochgehen. In der Notaufnahme in Hannover sagt ein Oberarzt einen Satz, den in über zehn Jahren niemand gesagt hat: „irgendwie passt das aber nicht zu der Diagnose, die sie haben.“ Er lässt neu und vollständig untersuchen und findet zwei Engstellen im Spinalkanal, genau dort, wo die Schmerzen die ganze Zeit waren. Stefans eigenes Fazit: „War eine Fehldiagnose.“

Was diese zehn Jahre beruflich gekostet haben, gehört zur Geschichte dazu. Mit der Diagnose kam er aus dem Einsatzdienst in die Leitstelle, der geplante Aufstieg in den gehobenen Dienst war erledigt. Später entschuldigt sich ein Professor bei ihm, ein Anwalt für Medizinrecht rechnet ihm Verjährungsfristen und Prozesskosten vor – und Stefan entscheidet sich gegen eine Klage.

Davor liegt eine Kindheit mit einer Mutter, die ihre Kinder in die Zimmer schickt, wenn Besuch klingelt, mit gestohlenen Milchschnitten aus dem Kühlregal und einer Meningitis, bei der der Vater jeden Tag in der Klinik ist und die Mutter kein einziges Mal. Das Gespräch ist deshalb interessant, weil es zwei Formen von Ausgeliefertsein nebeneinanderlegt: die als Kind und die als Patient. Gelöst ist am Ende nur eines davon.