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Folge 23 · Körper & DiagnoseNeu

Behandelt wegen einer Diagnose, die nicht stimmte

01.09.2026 57:00 Min mit Stefan

Worum es geht

Ein Kollege steht direkt neben ihm in der Feuerwache und fragt, ob alles in Ordnung sei. Stefan Simon – 24 Jahre Berufsfeuerwehr Salzgitter, Lehrrettungsassistent – schaut hoch und sieht eine Silhouette, sonst nichts. Kein Gesicht, keine Züge. Es ist August 2012, er sitzt im Büro und erstellt Ausbildungsunterlagen. Der Kollege fragt, ob er betrunken sei. Noch am selben Tag steht auf einem Einweisungsschein der Vermerk „Ausschluss Tumor“.

Ein Tumor ist es nicht. Es ist eine Entzündung des Sehnervs am rechten Auge – laut den Ärzten oft der erste Schritt in Richtung einer Autoimmunerkrankung. Es folgen hochdosiertes Kortison, tägliche Spritzen, dann in der Medizinischen Hochschule Hannover die Diagnose Neuromyelitis optica, angesiedelt am Stammhirn, mit der Aussicht auf eine Atemlähmung. Alle vier Wochen Infusion, zehn Jahre lang, jedes Mal ein anderer Arzt. Parallel dazu: Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, die niemanden interessieren, weil ja klar zu sein scheint, woher alles kommt.

Im Dezember 2022 kann Stefan die Treppe nicht mehr hochgehen. In der Notaufnahme in Hannover sagt ein Oberarzt einen Satz, den in über zehn Jahren niemand gesagt hat: „irgendwie passt das aber nicht zu der Diagnose, die sie haben.“ Er lässt neu und vollständig untersuchen und findet zwei Engstellen im Spinalkanal, genau dort, wo die Schmerzen die ganze Zeit waren. Die Diagnose, wegen der er zehn Jahre behandelt wurde, stimmte nicht. Stefans eigenes Fazit: „War eine Fehldiagnose.“

Was diese zehn Jahre beruflich gekostet haben, gehört zur Geschichte dazu. Mit der Diagnose kam er aus dem Einsatzdienst in die Leitstelle, der geplante Aufstieg in den gehobenen Dienst war erledigt. Später entschuldigt sich ein Professor bei ihm, ein Anwalt für Medizinrecht rechnet ihm Verjährungsfristen und Prozesskosten vor – und Stefan entscheidet sich gegen eine Klage.

Davor liegt eine Kindheit mit einer Mutter, die ihre Kinder in die Zimmer schickt, wenn Besuch klingelt, mit gestohlenen Milchschnitten aus dem Kühlregal und einer Meningitis, bei der der Vater jeden Tag in der Klinik ist und die Mutter kein einziges Mal. Das Gespräch ist deshalb interessant, weil es zwei Formen von Ausgeliefertsein nebeneinanderlegt: die als Kind und die als Patient. Gelöst ist am Ende nur eines davon.

Kapitel

Aus den Fragen im Gespräch abgeleitet.

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Transkript

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Thomas: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von LeichtLos. Schön, dass du heute wieder dabei bist. Egal ob gerade im Auto, beim Spazierengehen, im Gym, auf dem Sofa oder irgendwo mitten im Alltag. Es gibt Dinge im Leben, können entscheiden. Und es gibt Dinge, die passieren einfach. Die entscheidende Frage ist vielleicht, was machen wir daraus? Mein heutiger Gast hat in seinem Leben mehrfach erlebt, wie schnell ein Weg plötzlich eine völlig andere Richtung nehmen kann. Und im Vorgespräch ist dabei ein Satz gefallen, dem ich hängen geblieben bin. So will ich nicht leben. Denn dieser Gedanke zieht sich irgendwie durch seine ganze Geschichte. Immer wieder gab es Situationen, in denen es darum ging, etwas nicht einfach hinzunehmen, für sich selbst einzustehen oder einen neuen Weg zu finden. Wenn man ihn heute begegnet einem ein positiver, direkter und kontaktfreudiger Mensch. Aber dahinter liegt eben keine gradlinige Geschichte. Wir sprechen heute über Prägungen, Verantwortung und Entscheidungen, über Rückschläge und Neuanfänge, über einen Beruf, der lange viel mehr als nur ein Beruf war und darüber, wie aus einem zunächst ziemlich pragmatischen Plan irgendwann ein völlig neues Kapitel entstanden ist. Dabei geht es aber nicht um die Geschichte, Du musst nur wollen, dann wird schon alles gut. Sondern auch das, was man von außen häufig nicht sieht. Die Arbeit, die Zweifel, die Fehler, die Neins. Und das weitermachen. Obwohl eben nicht jeder Schritt sofort funktioniert. Und vielleicht geht es am Ende vor allem um eine Frage. Wie oft kann man sich im Leben eigentlich neu entscheiden? Ich freue mich sehr, dass du heute hier bist. Herzlich willkommen, Stefan.
Stefan: hallo, also wow, ich ja jetzt schon eine Gänsehaut. Und dieser tollen Anmoderation, wahnsinnig, wirklich, ne? Freue ich mich sehr, dass ich heute bei dir sein darf.
Thomas: Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Wir fangen direkt mal an. Bevor wir über deinen Weg sprechen, wer bist du heute, ganz unabhängig von Beruf, Business, Familie oder irgendwelchen Erfolgen?
Stefan: Ja, also ich stelle mich erst mal ganz kurz vor. Ich bin der Stefan Simon, 51 Jahre jung noch. Ich werde im September 52. Aber auch das ist völlig in Ordnung. Ich fühle mich wie 12. Alles ist gut. Ich war 24 Jahre lang Berufsfeuerwehrmann hier bei der Berufsfeuerwehr in der Stadt Salzgitter. Hab das auch wirklich super gerne gemacht. Bin verheiratet mit einer wundervollen Frau, meine Frau Mona. Hab drei Beutekinder, eine eigene Tochter und ja, alles Mädels und äh... Selbst die Hunde sind zum großen Teil. Ich hab einen Rüden dabei, das ist der Kalle, der mich unterstützen soll. Klappt eher schlechter als recht manchmal. Ich habe den Überfluss an Frauen hier in unserer Meute, aber ich völlig happy damit. Wir haben hier schönes Haus in einem kleinen Dorf mit großem Grundstück. Uns geht es wirklich gut damit.
Thomas: Wenn man dich heute erlebt, wirkst du ziemlich offen, direkt und positiv. Welche Seiten davon war schon immer Stefan und was ist erst in den vergangenen Jahren dazu?
Stefan: Also offen war ich schon immer. Das Positive kam erst mit der Zeit tatsächlich, weil doch die Vergangenheit so bisschen prägend war. Am Anfang von der Kindheit heran muss man ja sagen, einiges so im Argen lag und man dann halt erstmal sehr, sehr viel Negatives hatte, halt auch dementsprechend negativ programmiert wurde letztendlich. Und ja, man hat sich immer das Positive irgendwie gewünscht, aber das kam halt erst relativ spät bei mir.
Thomas: Und im Vorgespräch fiel ein Satz von dir. So will ich nicht leben. Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass du nicht einfach akzeptieren willst, was das Leben dir vorsetzt?
Stefan: Seitdem ich mich daran zurückerinnern kann, dass wir erst mal den Augenschein hatten, alles ist schön. Wenn man auch so Fotos von damals sieht, alles top. Jetzt muss man wissen, mein Vater hat meine Mutter halt im Bordell kennengelernt, das heißt, meine Mutter war Prostituierte. Das war für uns Kinder natürlich am Anfang erst total irrelevant. Wir wussten das ja erst mal gar nicht. Problem war nur, mein Vater hat viel gearbeitet. Der hat versucht, uns gut zu versorgen. Das hat er auch echt toll gemacht. Zeit lang. Und ... ja, dann war es halt so. Er hat ein Haus gebaut, wollte ein Haus bauen für uns. Und hat dann mal viel gearbeitet auf der Baustelle. War es mal wirklich schlecht Wetter, dass man nichts machen konnte. Er kam nach Hause, wir waren in schwerer Spielen oder im Zimmer. Wir haben gar nicht was mitbekommen. Und er hat meine Mutter mit einem anderen Wetter erwischt. So, das war dann die Geschichte, dass es da dann erst mal so weit ging, dass die Scheidung reingereicht wurde. Naja, und wir dann halt dementsprechend, ja, nach der Scheidung natürlich erst mal bei der Mutter geblieben sind. Da fing eigentlich so erst mal das ganze Desaster an. Das Sorgerecht hat halt die Mutter erst mal zugesprochen bekommen. Das war es an der Zeit halt so und, ja. Unsere Mutter hat sich sich gekümmert und weniger uns. Sie war dann immer unterwegs. Kamen auch Männer zu uns nach Hause, wenn es geklingelt hat mit 50 Mark in der Hand. Haben dann damit gewogen. Meine Mutter hat zu uns gesagt, ihr geht jetzt entweder raus oder in eure Zimmer, je nach Uhrzeit, muss man ja auch sagen. Ich will keinen Mucks von euch, sonst setzt es was. Als kleiner Junge oder als kleines Kind weißt du halt nicht, was sind das für Geräusche. Schlafzimmer kommen. Man war natürlich dann aufgeregt und hat gesagt, was machen die da mit unserer Mutti? Und dann bist du rangegangen, hast geklopft, hast Mama gerufen und dann kam sie voraus, hat uns dann eine gewascht und dann hat gesagt, ich will von euch nicht zählen, das habe ich eben schon gesagt. Na ja, und so ging das dann halt fast ein ganzes Jahr, ein halbes Jahr, muss man fast sagen. Aber auch Dinge wie uns zu versorgen, nahrungsmäßig oder sonst irgendwas. Wir sind dann halt immer irgendwie auf uns alleine gestellt gewesen, weil sie nur unterwegs war. Und was haben wir gemacht? sind rübergegangen zu unserem Marktkauf, nebenan war so ein großer Marktkauf. Und dort haben wir dann direkt am Kühlregal uns immer schon Milchschnitten reingepfiffen, ohne sie zu bezahlen, weil wir Hunger hatten. Oder wir haben halt auch mal einen trockenen Rotknus gegessen, wir einen gefunden haben, haben da Senf draufgeschmiert und haben das gegessen. Aber irgendwann musste er gegessen werden. Und das hat immer zur Folge, dass der Marktleiter uns dann immer eine Wand genommen hat, so kommt man mit rüber. Und auch da gab es dann halt wieder das Thema Argwohn. Also wir hatten wirklich eine sehr autoritäre und gewaltvolle Kindheit, muss man ganz ehrlich sagen. Und mein Vater hat aber in der Zeit immer gekämpft das Sorgerecht. Dass er dann halt dementsprechend das Sorgerecht für uns bekommen hat. Und das kam dann auch irgendwann so, dass er es dann auch gekriegt hat. In der Zwischenzeit war es bei mir aber noch so... Ich bin schwer krank geworden, ich hab eine Hirnhautentzündung, eine Meningitis, falls es irgendjemand nur sagt. Das ist wirklich ein lebensbedrohlicher Zustand, wenn das nicht schnell behandelt wird. Meine Mutter hatte natürlich nichts anderes zu tun, zu sagen, ist bisschen Fieber, Kinder haben halt auch mal Fieber. Das wird schon. Und irgendwann war es dann aber doch ihr auch zu bunt selbst und ist mit mir dann zum Arzt gegangen. Das nächste, was ich dann noch weiß, ist, wie der Arzt mich genommen hat. Und das nächste, was ich weiß, war, dass ich irgendwo im Rettungswagen nachgeworden bin. Und dann lag ich da halt ein paar Wochen in der Kinderklinik in Minden, in Quarantäne, isoliert, alles. In der Zeit war mein Vater jeden Tag da. Er wirklich jeden Tag zu mir gekommen, hat mich jeden Tag besucht, meine Mutter nicht einmal. Dann kam der Punkt, dass man irgendwann wieder gesund war. Und dann hieß es so, wer soll ich denn jetzt abholen? Und ich hab mir aber noch gedacht, wenn ich jetzt sage, beide, dann kommen beide dahin, ertragen die sich wieder und das wird alles. Die werden dann wieder ... glücklich und das war natürlich nicht der Fall. Meine Mutter kam und hat mich dann abgeholt dementsprechend. Dann waren wir erst mal noch im Moment bei meiner Mutter und dann irgendwann zum Glück hatte das Jugendamt dann wirklich meinem Vater das Sorgerecht zugesprochen und wir wurden abgeholt und das war dann halt dementsprechend toll. Wir haben dann erst mal bei meinem Opa gewohnt, immer die 14 Tage. Alle 14 Tage durften wir jetzt zu meinem Vater sowieso. Da waren wir dann immer bei seinen Eltern, die haben einen großen Bauernhof gehabt. Das war für uns natürlich Abenteuerspielplatz. Das war so mal ein Wochenende raus aus dem, was wir sonst immer erlebt haben. Und man wollte natürlich denn, wenn es dann wieder zum Sonntagabend ging, gar nicht nach Hause. Aber ... Es war dementsprechend so. Ich hab für mich festgestellt, das Leben, das wir in Limmöcke bei der Mutter führen, das will ich so nicht haben. Auch als Kind war das schon so ein ganz toller Gedanke. Aber Gott sei Dank war es so, wir sind irgendwann abgeholt worden. Dann waren wir erst die erste Zeit bei meinem Vater auf dem Bauernhof. Das war natürlich genial. Durch diese ganze Phase war es für meinen Vater auch schwierig gewesen, auch psychisch schwierig gewesen. Tolle gelitten und der Arzt hat ihm dann erst mal eine Kur verschrieben. Ich sag mal Bimmelkur dazu, also für die Psycho mal so eine Kur. Und die war hier tatsächlich im Harz. Im Harnklee, glaube ich, war das. Und da hat er dann halt mal eine Stiefmutter kennengelernt. Und ja, dann hat es auch nicht lange gedauert. Dann sind wir umgezogen nach Lüneburg zu unserer Stiefmutter. Auch da, großer Bauernhof, also ehemaliger Bauernhof, die ganzen Gebäude, alles war noch da. Also auch ein Riesengrundstück. Also für uns als Kinder zum Spielen, toll. Man muss mal wissen, nach so einer Zeit, die wir erlebt haben, haben wir natürlich nicht den Knigge auswendig gelernt, sondern benehmenstechnisch und so, wir waren noch nicht so wirklich gut erzogen. Das kann man mal so sagen. Also wir wussten nicht so wirklich, was ist richtig und was ist falsch. Wir wussten zwar, was wir wollen und was wir nicht wollen, aber so viele Dinge mussten wir halt lernen, natürlich. Es hat sich ziemlich schnell herausgestellt, dass das, wie sagst mal, Regime, was dort herrschte, die Erziehungsmethoden halt auch sehr autoritär waren. Das heißt, stell dir vor, Kleider Stadt. Dann hast du da wie beim Militär deine T-Shirts, die mussten alle wirklich ... übereinander liegen, durfte keins rausgucken oder sonst irgendwas. Sonst wurde der komplette Kleiderschrank leer geräumt. Da hieß es so, ihr habt jetzt Zeit. Wißt du was, was ich, wie viel Uhr? Ihr müsst auch noch Hausaufgaben machen und wenn ihr raus wollt, müsst ihr mal bisschen Gas geben. Wenn der nicht ordentlich ist, dann fängt ihr noch mal von vorne an. Also so haben wir zum Beispiel Ordnung gelernt. Wir mussten halt auch immer mit arbeiten. Mussten immer mit alles machen. Rasenmähen, Gartenarbeit machen. Rückblickend betrachtet. war es ja so, dass es mich zur Selbstständigkeit gebracht hat in vielen Dingen. Nur der Weg war ein bisschen extrem dazu. Den fand ich auch nicht in Ordnung. Und irgendwann war es dann halt so ... Mit 14, 15 hat meine Mutter dann immer schon gesagt, also meine Stiefmutter, ihr müsst jetzt hier mal irgendwas machen, ihr könnt nicht die ganze Zeit zu Hause rum sitzen. Entweder Fußballverein, Volleyball oder Feuerwehr, keine Ahnung was. Und da hab gesagt, nö. Fußball ist nichts für mich, hab ich mal versucht, mir die Handball gebrochen. Ist nicht meins, ich nicht. Und dann hab ich gesagt, ich nehm die Feuerwehr. Dann bin ich zur Feuerwehr gegangen, die freiwillige Feuerwehr Barentsdorf damals und hab dafür mich entdeckt, dass das so ein Ding ist, womit ich gut klarkam. Das macht mir Spaß, das war so meins. Und war dann auch wirklich so... Ich hab halt neben den Feuerwehren ausgewohnt. Wenn immer irgendein Alarm war, mach ich immer der erste Tag. hat mir einfach wirklich viel Spaß gemacht. Da war für mich aber noch nicht so klar, dass ich mal beruflich diesen Weg gehen werde. Ganz im Gegenteil, irgendwann war dann halt das Thema Berufswahl. Man hat ja Praktika gehabt in der Schule. Ich wollte Tischler werden, tatsächlich. Ich hatte immer schon ein Faible für Holz. Bei uns war es dann aber so, mein Vater hat gesagt, Tischler, nein, du wirst Kfz-Mechaniker. und schreibt mal Bewerbung für den Autohaus Sannaker in Lüneburg. Da fahren wir gleich hin und dann gibt es den Bewerbmarkt und dann gucken wir mal. Der Vater war die Respektperson, also was hat der Junge gemacht? Bewerbung geschrieben, ab zum Autohaus Sannaker.
Thomas: Natürlich.
Stefan: Der Meister hat das in seinem Glaskastenbüro und mein Vater ging vor, Reiner, ist mein Sohn, der will hier die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker machen und ich hasse seine Bewerben. In dem Moment nimmt der kleine Zettel, schreibt da was drauf, klickt den zusammen, sagt, hier kannst du zu Hause aufmachen. Das war unser Vorstellungsgespräch und dann stand auf dem Zettel eingestellt. Das war die Geschichte, so habe ich meine Lehrstelle gekriegt. Ich hatte aber null Bock darauf, Ihr könnt euch das euch nicht vorstellen, ich wollte kein FZ-Mechaniker werden. Ich war wirklich nicht der Beste in der Schule. Ich habe sogar teilweise geschwänzt, Berufsschule dann. Dann ging es weiter. Ich kam, war noch ein Jahr Geselle. Meine Mutter, meine Stiefmutter hatte zu der gleichen Zeit erstmalig eine Geschäftsführung übernommen von so einem Matratzenladen in Lüneburg. Das hatte sie sehr gestresst. Sie war da glücklich sehr unter Dauerfeuer. Das Problem war aber nur, dass sie ihren Stress, ihren Frust zu Hause ausgelassen hat. Ich war damals schon immer irgendwie einer der ... gesagt hat, was er will und was er nicht will. Ich hab schon immer irgendwie gesagt, das gefällt mir hier nicht, das möchte ich hier nicht. Und naja, das war der Tag. Ich musste auch Überstunden machen, kam nach Hause, war aber gut drauf. Das war auch dort ein guter Essen. Also sie auf den Hof fuhr und meine Mutter stand im Herd. Und ich komm rein und sag, was gibt's denn schönes zu essen? Und dann ist sie wie ein Zäpfchen hochgemarschiert und hat gesagt, ich mach doch schon was und wenn du nicht warten kannst. Ich hab vernünftig gefragt, ich will eine vernünftige Antwort haben. Dann wollte sie mir eine Ohrfeige hauen. Ich hab das abgewehrt. Ich sag, du schlägst mich nicht mehr. Durch Reflex hab ich ihr eine Ohrfeige gehauen. Dann stand ich selber wie paralysiert da. Dann kam auch schon mein Vater rein, der wie eine Dampflok auf mich zuging. Ich so, jetzt ist Schluss. Er wollte wirklich mit Faust und Knie. Ich sag, jetzt ist Schluss. Hab ihn zur Seite gedrückt, ist dann gegen die Wand gefallen. Hatte sich die Schulter verletzt und hat gesagt, du ziehst jetzt sofort aus, du bist nicht mehr mein Sohn. Dann hab ich noch gesagt ... Ich das mir gestern noch wieder eingefallen. sag aber, was jetzt hier passiert ist, ist total schrecklich. Ich weiß, dir gefällt es hier genauso wenig, wie es mir gefällt. Mein Vater und der Vater von meiner Stiefmutter, die haben sich auch immer in der Wolle gehabt über Themen, teilweise, und wir als Kinder immer noch dazwischen, also in ganzen Zeit, was halt auch schwierig war. Das heißt, wir haben in der gesamten Zeit immer nur Streit, Negativität, Gewalt, alles das kennengelernt. Und das hat uns halt dementsprechend so geprägt. Aber an diesem Tag war für mich ganz klar, es reicht. Ich geh jetzt hier weg. Musste ich ja auch mal. Mein Vater hat ja gesagt, du packst jetzt deine Sachen und gehst. Und ich hab gedacht, kacke, was machst du denn jetzt? Wo gehst du denn hin? Und da hab ich meinen Freund Raphael angerufen. Ich sag, Raphael, hier gab's grad nicht richtig Theater. Ich bin rausgeflogen. Er sagt, geil, Simon, komm hierher. Wir machen jetzt erstmal Party. Und dann war's wirklich so. Wir haben ein Jahr lang, ich habe ein Jahr lang bei ihm mit gelebt, wir haben ein Jahr lang wirklich das geilste Leben gehabt, muss man ganz ehrlich sagen. Wir haben echt viel angestellt und trotzdem natürlich weiter arbeiten gegangen, alles. Und dann war es aber so irgendwann in meinem Kopf, ich möchte eigentlich auch so nicht leben, weil irgendwas ist unausgesprochen und irgendwas müssen wir nochmal klären. Und da habe ich meine Mutter angucken. Ich habe gesagt, ich möchte ein Gespräch mit euch, dass wir klären, was jetzt läuft, wie es jetzt läuft. Dann sie gesagt, wir essen jetzt noch auf und kommen in einer Stunde, dann können sprechen. Dann war es so, dass wir uns zusammengesetzt haben, völlig entspannt auf alles. Ich habe so, pass auf, was da gelesen ist. War vielleicht von euch nicht gut, war von mir auch nicht gut. Können wir jetzt nicht zurückschrauben. Ich möchte aber, dass ihr eins wisst, ich erwarte von euch gar nichts, überhaupt nicht mehr. Genauso wenig müsst ihr von mir erwarten oder dürft ihr von mir erwarten. Das Einzige, was ich wirklich möchte, ist, dass wir uns sehen, dass wir vernünftig miteinander umgehen wie erwachsene Menschen. Und seit dem Tag nach diesem Gespräch hatten wir eigentlich das beste Verhältnis. Also da hatten wir wirklich ein gutes, erwachsenes Verhältnis, dass solche Dinge auch gar nicht mehr irgendwie ... Thema waren, dass wir irgendwie gefetzt haben oder sonst irgendwas. Ja, dann kam auch irgendwann so die erste große Liebe ins Spiel. Und ich erzähl einfach frei weg, wenn du eine Frage hast, hau dazwischen.
Thomas: Ja, ich hätte natürlich auch ein paar Fragen.
Stefan: Ja.
Thomas: Du hast natürlich jetzt schon sehr viel beantwortet. Ich frage einfach mal jetzt am Ende. Wenn du auf deine Jahre jetzt zurückblickst, hat dich deine Kindheit eher hart gemacht oder dir beigebracht, für dich selber einzustehen?
Stefan: Also eher bei mir für mich selber einzustehen, beziehungsweise auch für andere tatsächlich. Also ich fand das immer... Ungerechtigkeit fand ich immer total unglaublich. Ich finde immer... Na klar, gibt's Konflikte. Es gibt immer Konflikte und es gibt halt auch Menschen, die können mit Konflikten nicht so gut umgehen, beziehungsweise geraten in Konflikte, wofür sie gar nichts können. Und ein kleines Beispiel bei uns in Bahndorf war so ein großes Sozialwohnheim. Und da gab's immer so eine... So eine jugendliche Gang, durchs Loch gezogen sind und haben andere Kinder dementsprechend gerne gepiesackt. Und ich bin durch Zufall vom Zahnarzt gekommen. Dann war er da umringt von diesen Leuten. Und ich hab mich dann da zugeschränkt. Ich hab gesagt, du bist jetzt weg, bleib jetzt hier. Und haben die mich halt erst mal verprügelt. Aber ich konnte das nicht ab. Letztendlich sind wir da mit Polizei hinterher hingefahren. Und es wurde dann halt dementsprechend, haben sich auch alle entschuldigt, blablabla. Aber generell ist es so, ich war immer schon für andere gerne da, weil ich das dementsprechend doof finde. Auch bei der Arbeit, wenn Praktikanten da waren, sonst irgendwas, hab ich mich gerne Praktikanten gekümmert. Bei Gese mit den Schülerpraktikanten oder so, der wird dann halt irgendwo in die Zelle gesteckt und dann über den Ruf geschossen oder veräppelt in einer Tour. Und da hab ich dann gedacht, komm, du bleibst bei mir, ich zeig dir alles, wir machen das gemeinsam. Damit du auch mal was mitnimmst von deinem Praktikum und nicht immer nur veräppelt wirst von irgendwelchen doofen Kollegen. Daher finde ich, glaube ich, die Zeit hat eher dafür gesorgt, dass ich so wahnsinnigen Gerechtigkeitssyndrom entwickelt habe. Und Helfer-Syndrom natürlich. Das hat ja auch dann meinen Feuerwehrjob gezeigt am Ende. Ja, aber ich fühle mich wohl damit.
Thomas: Jetzt hast du eben erzählt, dass du mit deiner Stiefmutter und mit deinem Vater ein Jahr später dann diese Aussprache hattest.
Stefan: Hm.
Thomas: Du hast gesagt, dir war das wichtig, aber warum war dir diese Aussprache wichtig?
Stefan: Es hat mir irgendwie so gebrodelt. Ich hab gesagt, das kann ja nicht sein. Eigentlich weil mein Vater immer viel für mich getan hat. Aber ich habe erkannt, dass in ganzen Zeit, wo er mit dieser Frau zusammen war, er sie überhaupt nicht wohlgefühlt hat.
Thomas: Machen wir mal einen kleinen Sprung. Von deiner Stiefmutter wurde gesagt, du solltest dir ein Hobby suchen. Andere Jungs wählen Fußball, du hast dir die Feuerwehr ausgesucht.
Stefan: Genau.
Thomas: Zunächst war das der erste Hobby, aber was hat dich daran so gepackt, dass du dann gesagt hast, das will ich irgendwann mal als Beruf ausüben?
Stefan: Das war dann halt einfach so... Na klar, als junger Typ bist du dann erst mal... Du fährst das erst mal mit Blaulicht durch die Straßen, wenn du in Einsatz oder sonst sowas... Das ist schon faszinierend. Das heißt, Menschen rufen bei der Feuerwehr an, weil sie irgendwie Hilfe brauchen. Und da habe ich mich halt immer wieder gefunden. Ich bin derjenige, gerne hilft, der immer jeden unterstützt hat in irgendeiner Art und Weise. Und das war jetzt natürlich dann eine Geschichte, wo ich wirklich auch professionell durch die Ausbildung, wir dann auch schon in der freiwilligen Feuerwehr genießen durften... wirklich gute Hilfe leisten konnten. Das ist halt einfach so ein Thema, wo du sagst, das gibt dir so ein bisschen was. Das gibt dir ja Genugtuung. Mach dich stolz einfach zu sehen. Klar. Jetzt kommst du dahin. Waren Menschen, denen ging es schlecht. Hatten einen Unfall. Da hat das Haus gebrannt. Was auch immer. Und du warst da und hast die halt dementsprechend gerettet, unterstützt. Das Haus gelöscht. Wie auch immer. Und das ist tolles Gefühl gewesen. Das war dann halt auch so der Moment, ich gedacht habe, das könntest du auch mal beruflich machen. Es gibt ja die Berufsfeuerwehr. Na, es war nicht gleich. Kam heute, es hat sich erst mit der Zeit aufgebaut. Ja, durch Zufall dann halt auch irgendwann zur Feuerwehr gekommen.
Thomas: Du hast dich dann für die Feuerwehr entschieden und hast dann 24 Jahre im Feuerwehrdienst gearbeitet in verschiedenen Situationen oder Positionen besser gesagt. Was haben dir diese 24 Jahre über Verantwortung und Entscheidungen beigebracht?
Stefan: In dem Job geht es in der Regel meistens um Leben und Tod. D.h., die Entscheidung, die du triffst, musst du schnell treffen. Weil da hängt ganz viel von ab am Ende für den Patienten, für den Ausgang der Einsatzlage, die du da hast Und das hat mir wirklich in erster Linie beigebracht, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen jeden Tag aufs neue Entscheidungen zu treffen, jede Situation Entscheidungen zu treffen und das wirklich schnell und nicht so lange, ja, guck ich mir mal an, muss ich mal überlegen, lass uns erstmal einen Stuhlkreis bilden, sondern da muss es wirklich top gehen. Jetzt ist die und die Situation, wie handeln wir? Da muss ich sagen, da kann ich heute wirklich gut von zehren und das hat mich sehr viel weiter gebracht in meinem heutigen, jetzigen Dasein.
Thomas: Dann kam 2012 in einer Situation ein sehr einschneidendes Erlebnis.
Stefan: Genau.
Thomas: Magst du von dieser Situation und von der Geschichte, die sich daraus dann ergeben hat, bisschen erzählen?
Stefan: War August 2012, wie gesagt, war Lehrrettungsassistent. Also das heißt im Rettungsdienst habe ich mich dann halt dementsprechend auch weitergebildet und war dann irgendwann Rettungsassistent. Ich saß in einem Büro, hab Ausbildungsunterlagen erstellt, und es kam Kollege rein, wollte mit mir sprechen, stand so neben mir und sagte, Stöppl, alles klar? Ich gucke so hoch und hab aber nur seine Umrisse gesehen. Ich hab keinen Gesicht zu mir, er kannte gar nichts. Ich sag, ich kann dich nicht sehen. Er sagt, wie? Bist du besoffen? Ich steh direkt neben dir. Ich ja, das seh ich. Ich seh deine Silhouette. Aber ich kann überhaupt keinen Gesichtszug bei der Serie erkennen oder sonst irgendwas. Das ist aber nicht in Ordnung. Da musste man mit zum Arzt. Ich bin zum Arzt gefahren, zu meinem Hausarzt erst mal. Mein Hausarzt hat gesagt, uha, da fahren wir mit ins Krankenhaus auf Seesen. Ich schieb dir meine Überweisung. Nicht, dass da ein Tumor dahinter steckt. Da stand auf dem Einweisenschein, Ausschluss Tumor geschehen. Das war für mich erst mal so, uha. Das ist ja nicht so gut, das kannst du jetzt gar nicht gebrauchen. Und hatte natürlich dann die Hose geschriechen voll. Bin nach Sesen gefahren ins Krankenhaus und die haben dann mich auch sofort aufgenommen, haben auch sofort eine MRT gemacht, Bildgebung. Und da hat man dann gesehen, dass ich keinen Tumor hatte, lediglich eine Entzündung des Sehnervs vom rechten Auge. Das dazu führte, dass du halt immer dieses Nebel hier gesehen hattest, dass du teilweise... Wellen im Boden hat es etc. Und da hat man schon zu mir gesagt, so eine Sehnervenzündung ist immer so ein erster Schritt in Richtung Auscheimmunerkrankung wie Multiple Sklerose. Ich habe dann sofort erst mal hochdosiert Cortison bekommen. Musste mir jeden Tag eine Spritze geben. D.h., es kam auch eine multiple Sklerose-Schwester, eine MS-Schwester zu mir nach Hause, die mir dann das Handling erklärt hat und so weiter. Und doof war nur, diese Probleme gingen nicht weg. Ganz im Gegenteil, eine Geschichte nachts im Dienst gewesen. Ich wurde wach, hatte eiskalte Beine. Ich hab gedacht, was ist denn jetzt los? Es war Sommer und die fühlten sich an, würde ich im Eisbad stehen. Und bin aufgestanden, konnte aber laufen. Ich hatte auch Gefühle in den Beinen. Okay, hab ich gedacht, vielleicht ist das jetzt einfach mal gerade so. Nach dem Schluss bin ich mit meiner damaligen Freundin ... einkaufen gefahren, dann sind mir immer die Beine weggesagt, also richtig weggeknickt und dann hatte sie gesagt, das nicht gut. Ich wieder in Seesen angerufen, wir haben gesagt, okay, jetzt fährst mal nach Hannover in die medizinische Hochschule und das muss dann nochmal abgecheckt werden, nicht dass da irgendwas anderes noch dahinter steckt. Gesagt, getan, ab nach Hannover und Hannover hat dann noch gesagt, nee, nee, nachdem ich die ganze Diagnostik gemacht habe, du hast neuromyelitis optica, du hast da was an deinem Stammhirn. Nicht googeln, ich komme nachher wieder, ich erzähle dir alles, hat die Ärztin dann gesagt. Und ja, das war so nachmittags, 15 Uhr, 16 Uhr. Wer kam nicht? Die Ärztin. Und was habe ich gemacht? Ich habe gegoogelt. Und wenn man das mal googelt, in der OSD nicht gut. Und da ich natürlich richtig schlaflose lang gehabt, am nächsten Morgen, Visite, kam sie dann rein und ich habe gesagt, ich jetzt hier... Die ganze Nacht, wir saßen ja auf sie gewartet. Kamen, ich hab natürlich gegoogelt. Und was ist das jetzt? Ja, tut uns leid. Und es war so viel los und bla, bla, bla. Ich sag, was muss ich jetzt ... Was soll ich mir jetzt einstellen? Na ja, das sitzt bei ihnen am Stammhirn. Und das kann dazu führen, dass sie im weiteren Verlauf abheitsabwetzt gelebt sein werden. Und da es halt das Stammhirn ist, da ist auch das Atemzentrum angesiedelt, kann die Atmung halt aufhören. Dass sie eine Atemlähmung bekommen und nicht mehr atmen können. Das sind ja super Aussichten. Da war ich erst mal geplättet, aber dann halt auch wieder ... Dann ist es eben so. Jetzt gehst du voran, sag, wie geht's weiter? Alle vier Wochen hierher zur Infusion. Okay. Da hab gesagt, alles klar. Ist zwar jetzt erst mal die Diagnose, aber ich steck hier nicht den Kopf in Sand, wir machen das Beste raus. Das war meine Entscheidung, auch hier wieder. Das ist nun mal so, kannst du dich nicht ändern, mach das Beste draus. Und ... ja, letztendlich, den ganzen Zeitraum, wir haben irgendwann dann hier Haus gekauft, jetzige Frau und ich. Und ich hab da wieder gearbeitet, sehr viel selbst gemacht. War's halt so, dass im Dezember ... 2022 ... ich wieder ... ja, nicht mehr laufen konnte. Ich bin quasi trepperehob gefeilt. Ich hab immer viel wirklich gebuckelt. Und was ich noch sagen muss, ich hatte auch immer Lendenwirbelsäule Schmerzen, Rückenschmerzen. Hat aber nie einen interessiert. Die haben immer gesagt, es kommt von da oben. Ich war ja im Hörsaal, die Studenten haben da umgedockt. Ich war in Studien drin und all so mit Döns. Keinen hat es interessiert, dass ich auch im Lendenwirbelsäule-Bereich dementsprechend Schmerzen hatte. Wie es dann auch so war, ich wieder angerufen, ich sah Leute, ich kann nicht laufen. Ich balierte die Treppen hoch, da haben wir sofort in die Notaufnahme nach Hannover wieder gefahren. Und das allererste Mal in dieser ganzen Zeit, über zehn Jahre hinweg ging das, war ein Arzt da, ein Oberarzt, richtig guter Typ, der gesagt hat, irgendwie passt das aber nicht zu der Diagnose, die sie haben. Aha. Und ich guck mir jetzt hier noch mal alle ihre Arztbriefe an, und wir machen noch mal eine richtige Bildgebung von oben bis nach unten. Und ... Ich hab dann festgestellt, dass ich tatsächlich in der Lendenwirbelsäule, die sich an die Anlage geguckt hat, zwei M-Stellen hatte vom Spinalkanal. Das heißt, da wo die Nervenbahnen durchlaufen, sollten eigentlich 3,5 cm Luft sein, dass die Nerven da gut drin liegen können. Ich hatte 2,5 mm. Und das war das Problem. Er sagte, Gott, wir müssen hier sofort alles einstellen. Das ist ja total bammade. War eine Fehldiagnose. Toi, toi, toi. Nun bin ich natürlich von meiner Einstellung her, von meinem Mindset sehr gefestigt und mich hat das jetzt nicht so aus der Bahn geworfen. Klar war das mal Begleiter. Okay?
Thomas: Aber trotzdem, also die Frage ist ja trotzdem, wenn einem nach zehn Jahren an einem rumgedoktert wird, wo man Sachen über sich hergehen hat lassen. Warst du da im ersten Moment trotzdem erleichtert oder überwiegte die Wut, was diese zehn Jahre mit deinem Leben gemacht haben? Weil du hattest ja schon auch beruflich Einschränkungen und hast dich dann in der Feuerwehr
Stefan: Ich glaube, das ein realer Plenum.
Thomas: anders orientieren müssen. Wie war das?
Stefan: Ich würde es mal so betiteln, war am Anfang so ein Mischmasch aus Happiness und totaler Wut. Ich hätte gedacht, das kann ja auch nicht wahr sein. Das ist ja wirklich so. In der Zeit, der ich wirklich alle vier Wochen war, es war immer ein anderer Mensch, der mich da betüdelt hat. Der mit irgendeiner Untersuchung mit mir geworfen hat. Ich habe nie einen und den selben Arzt gehabt. Es waren immer unterschiedliche Herze. Also ich war wirklich extrem sauer, aber auch total erleichtert. Das Einzige, kam von Seiten des Krankenhauses, der Professor hat dann gesagt, tut mir leid, ich muss mich entschuldigen, hätte ich ihre Akte mal bisschen eher auf Tisch gehabt, wäre alles gut gewesen. Und naja, dann war es halt so, dass ich gesagt habe, lässt du das jetzt einfach so stehen oder machst du da was draus? Und ich hatte dann mit einem Anwalt gesprochen für Medizinrecht aus Marburg und der mir die ganze Geschichte halt auch so geschildert hat und hat gesagt, also in Amerika wärst du jetzt ein gemachter Mann, da wärst du ein Millionär, ne? Jetzt sind wir aber nicht in Amerika, sondern in Deutschland. Jetzt gelten hier schon Verjährungsfristen. Ich müsste alle Gutachten selber bezahlen. Ich würde dann auch im Falle eines Nicht-Gewinnens die Prozesskosten tragen müssen. Da geht es um Streitwert, der noch nicht beziffert war. Der wäre relativ gut gewesen. Das Risiko war mir einfach zu groß. Wo ich dann gesagt hab, okay, Scheiß drauf. Ich bin gesund, alles ist gut. Die Stellentest wurde behoben. Ist jetzt für mich viel, viel mehr wert, da jetzt noch großartig zu klagen oder sonst irgendwas. Und vielleicht am Ende so ein finanzielles Desaster hinzulegen. Und deshalb habe ich gesagt, Paco Hagen hinter Entscheidung getroffen, ist eine Episode in meinem Leben. Hat mich in dem Sinne jetzt auch mal wieder stärker gemacht. Problem war nur, wenn du jetzt noch mal eine Frau fragen willst, ich hatte natürlich Scheißlaune. Du musst dir vorstellen, hast Medikamente über die Zeit gekriegt, die einen Spiegel aufgebaut haben und jetzt sind die abrupt weg. Das heißt, du hast ja Entzugserscheinungen tatsächlich gehabt. Bei mir war ja alles andere schlecht. Hab Bluthochdruck gekriegt, Gewicht ist explodiert, all sowas ist daraus entstanden. Wie du schon sagtest, bei der Feuerwehr, wollte ja eigentlich mal in den Wogen in Dienst gehen. Aufstieg war natürlich passé. Als das rauskam damals mit der Diagnose, hieß es, okay, Stefan, dann nehmen wir dich mal aus dem Einsatzdienst. Erst mal raus, gehst in eine Leitstelle. In die Leitstelle kommen immer die Fußkranken. Wobei ich sagen muss, Leitstelle war für mich nach so vielen Dienstjahren draußen auch irgendwie meine Willkommene Abwechslung. Das fand ich dann auch ganz cool. Hab mich auch dort weiterbilden lassen und war dann am Ende ausbildungsverantwortlicher für die Aus- und Fortbildung von Leitstellendisponenten. Also das war halt auch dementsprechend schon cool.
Thomas: Und dann kam die Situation, es war immer noch Corona, und deine Frau hat dann eure zukünftige Sponsoren, oder deine zukünftige Sponsoren kennengelernt.
Stefan: Ja, unsere Überjahre, genau.
Thomas: ja, deine Frau kam damit an. Und normalerweise ist das ja traditionell so, die Frau sagt, ich hab da was, ich bring das mit nach Hause, wir nutzen das jetzt. Bei euch war
Stefan: Ja.
Thomas: der Fall aber anders.
Stefan: Ja.
Thomas: Frau kam nach Hause und hat gesagt, ich habe da was für dich. Und du hast dann erst mal abgeblockt.
Stefan: Genau.
Thomas: Und deine Frau hat trotzdem nicht angefangen.
Stefan: Genau, wir haben trotzdem nicht angefangen. Wir haben gesagt, okay, für sie war das ja auch erstmal nichts. Sie hatte ja auch nichts. Sagt sie ja. Und deshalb habe ich gesagt, so pass auf, wenn ich mich gesund ernähren will oder sonst irgendwas, hol ich mir einen Apfel, dann lutsche ich an der Gurke, alles ist gut, dann kannst du wegbringen, Geld kann man uns sparen. Und sagt sie,
Thomas: Und dann hat das über ein halbes Jahr gedauert, bis dann die Julia bei euch zu Hause war und
Stefan: Genau.
Thomas: dich dann persönlich doch mal erwischt hat und du deine Neugier geäußert hast.
Stefan: Ich war ja immer noch nicht gut drauf. Ich immer noch gute Hochdruck, schlechte Laune, hatte immer noch rohe Haut. Julia war da und wollte den Tisch abkaufen. Wir hatten einen großen Wohnzimmertisch, der nicht mehr zu unserer Einrichtung passte. Wir gesagt, den verkaufen wir. Julia hat gesagt, ja, nehm ich. Ich musste fragen, ob das ein Vorwand war, ob sie den gebraucht hat oder sie nur den Fuß in die Tür kriegen wollte. Wie auch immer, Kam an. Ich hab gesagt, pass auf, Julia. Jetzt erzähl mir bitte noch mal, was macht das, wenn ich das jetzt nehmen würde? Was kann das mit mir machen? Was mit dir machen, weiß ich nicht. Bei mir hat es das und das gemacht. Du musstest ausprobieren. Du hast halt 30 Tage Zufriedenheitsgarantie. Guck einfach, ob es dir schmeckt, ob du schon Resultate hast. Und da hat es dann schon bei mir geraddat. 30 Tage Zufriedenheitsgarantie. Damit die Frau jetzt Ruhe gibt, pass auf, dann ist das der Plan. Ich nehme das jetzt ein paar Tage, 25 Tage, keine Ahnung. Und dann schicke ich es weg. Weil bringt ja nichts. Das war mein Plan. damit die Frau Ruhe hat, also Ruhe gibt. Und ich habe gesagt, gut dann bestell, ich will auch ein Gebot dazu, bla bla bla. Das Paket kam an und ich habe gesagt, gut, ab heute geht's los. Was soll ich sagen? Nach ein paar, ein, zwei, zwei Wochen, zwei, drei Wochen war es ungefähr, bin ich ins Bett gegangen. Ich bin eingeschlafen. Ich habe durchgeschlafen, das erste Mal, Leute. Ich kann euch sagen, man mit Medikamente wie Kortison, etc. da steht, oder diese fetten Chemikalien, die sie da in mich reingekippt haben, da war Schlaf nicht wirklich viel. Also du warst immer kaputt, hast dich hingelegt, warst nachbar, dann hat das Kopfkarussell angefangen, zu drehen. Und ... Jetzt hab ich mich hingelegt, hab geschlafen. Durchgeschlafen. Ich hab gesagt, das gibt's doch gar nicht. Kann Glück sein. Vielleicht war das jetzt einfach mal Zufall. Aber nein, tatsächlich schlaf ich seitdem wie ein Kind. Das ist so erholsam. Dann hab gesagt, okay, vielleicht überlegen wir uns das dann doch noch mal mit dem Zurückschicken. Und seitdem sind wir Happy Drinker.
Thomas: Männer sind ja normalerweise immer sehr gefühlskalt. Meine Frau hat mir deutlich früher mitgeteilt, dass ich bei mir etwas verändert, als ich es festgestellt habe für mich selber.
Stefan: Out.
Thomas: Bei dir klingt das jetzt sehr reflektierend. Hast du das wirklich so in dem Moment dann auch direkt gemerkt oder hat man dich darauf hingewiesen?
Stefan: Ja, also mit der Laune, das hat meine Frau dann mich vorhin gewesen, dass ich halt wesentlich entspannter bin und viel mehr Happiness habe. Das habe ich selber so gar nicht gemerkt. Ich bin sonst immer aufgestanden und dann irgendwas war und ich hatte dann so, lasst mich in Ruhe oder wie auch immer. War wirklich so ein Morgenmuffel. Das ist völlig, ich bin morgens wach und alles ist schön. Ja, also ich. bin da selber tatsächlich so reflektiert zu sagen, ja toll, das stimmt, es hat sich wirklich viel verändert. Und selbst wenn ich mich angucke, auch Menschen, die ehemaligen Kollegen, Freunde, Nachbarn, die kennen mich ja halt vorher und jetzt und die haben auch gesagt, es ist verrückt, was du für eine Entwicklung hingelegt hast. In allem, auch die Kilos, schwurfen, das wird immer weniger. Und toll, einfach toll.
Thomas: Trotzdem, also das klingt zwar jetzt positiv, aber trotzdem, als du dann den Gedanken hattest oder ihr dann den Gedanken hattet, das finanziell auch geschäftlich zu nutzen,
Stefan: Ja.
Thomas: gab es Gegensinn. Im Bekanntenkreis, auf der Dienststelle, Familie. Wir haben aber trotzdem gesehen, dass es dir gut geht.
Stefan: Auf jeden Fall.
Thomas: Hast du das verstanden in dem Moment, dass dann trotzdem keiner
Stefan: Nee,
Thomas: ja, diesen Mehrwert für sich erkannt hat.
Stefan: am Anfang noch nicht. Man muss auch dazu sagen, also am Anfang, als wir dann gesagt haben, wir bauen uns da jetzt was mit auf, weil wir hier unser Baum haben, unser Haus, das war ja dann halt so, dass Ukrainekrieg kam, alle unsere Kosten explodiert sind, wir hatten, Umbaukosten etc., das hat alles nicht mehr gefasst. Also wir standen vor der Entscheidung, entweder ausziehen mit Wohnung oder wir müssen irgendwas machen, damit wir zumindest die Hausraten weiter finanzieren können. Dann haben wir gesagt, okay, können wir mit unserem Business jetzt hier machen. Wir müssen uns halt dementsprechend gerade machen, losgehen, mit Menschen sprechen. Und wir haben dann halt auch relativ schnell gute Erfolge gehabt, aber auch sehr, sehr viel Gegenwind. Und dieser Gegenwind war nicht nur aus dem Freundeskreis, da auch sehr viel, halt aber auch dienststellmäßig et cetera. Und obwohl die halt gesehen haben, dass wir uns positiv verändert haben, und gerade bei mir, bei mir waren sie ja Riesen-Splitter, die da sich verändert hatten. Und das war am Anfang für mich erst mal so missverständlich. Ich hab das nicht verstanden. Also meine Frau, was ist denn los? Wieso sind die jetzt so? Wieso unterstützt uns denn keiner teilweise? Wenn du jemanden eingeschrieben hast, dann hat der nach kurzer Zeit wieder gekündigt, ist das jetzt nein uns gegenüber. Da war die Einstellung noch nicht so. Das Wissen hatte ich am Anfang ja noch nicht. Was wir jetzt aber merken, aufgrund der Zeit, die drei Jahre, die wir das jetzt machen, bzw. geschäftlich sind es 2,5 Jahre, dass die Leute, die damals nie gesagt haben, die kommen jetzt nach und nach doch alle noch mal wieder an und stellen die Frage. Die sehen das, du wirst beobachtet tatsächlich, und die sehen, Mensch, ihr seid ja doch noch dabei. Klar, kennen mich als Feuerwehrmann, kennen Mona als Krankenschwester und plötzlich machen die einen auch Geschäftsmann oder Frau. Bauen ihr eigenes Business auf. Das passt für viele irgendwie nicht. Und die müssen halt auch erst mal über eine Zeit lang gucken, zieht er das jetzt überhaupt durch oder halt nicht. Ja, wir haben es durchgezogen. Sehr erfolgreich tatsächlich. Wir haben uns weiterentwickelt. Persönlichkeit, Entwicklung. ist so gigantisch, was man aus seinem Leben machen kann. Wir haben so viel mehr Lebensqualität dadurch gewonnen. Mehr Lebenszeit vor allen Dingen. Und jetzt kannst du ganz einfach sagen, wir bleiben noch mal eine Stunde liegen oder können unsere Zeit frei einteilen. Und das ist so viel mehr Lebensqualität einfach, die wir haben. Das ist genial, einfach genial.
Thomas: Genau, ihr seid jetzt beide Presidents Team.
Stefan: Genau.
Thomas: Und das ist natürlich ein Ergebnis in drei Jahren, wo man Hut vorziehen muss, definitiv. Aber was hat dich oder euch auf diesem Weg dorthin stärker verändert? Der Erfolg oder die Rückschläge davor?
Stefan: Der Mix daraus, ich sagen. Tatsächlich beides. Natürlich, die Seele braucht ja immer sieben Lupe am Tag, dich zu verkümmern, man ja. Und dadurch, du da halt dementsprechend halt diese Wertschätzung hast. Also das habe ich ja nie erlebt bei der Arbeit. Hat nie einer wie gesagt, toll gestärkt worden und alle standen und haben geklatscht, wenn du mal eine Aufgabe wundervoll erlebt hast oder so. Ganz im Gegenteil, wieso hat es so lange gedauert oder wie auch immer. Also Wertschätzung. Gab es damals nicht in dem Sinne, wie wir es heute erfahren. Und das tut natürlich unwahrscheinlich gut. Im Umkehrschluss alles das, dementsprechend auch als ... Wie soll ich es nennen? Als Schälte, als Negativ, als Nein, wie auch immer reingekommen ist, hat dich natürlich überlegen lassen, woran liegt es jetzt? Warum ist jetzt die Ablehnung da? Oder warum sagt der Mensch jetzt nein? Und liegt das an dir selber oder ist der Mensch nicht bereit dazu? Also dieser Lernprozess, der daraus entstanden ist, der hat uns total weitergebracht im Mindset, in unserer Denke, in der Art, wie wir halt mit Dingen umgehen, wie wir mittlerweile auch argumentieren, wenn Menschen uns irgendwelche Ausreden erzählen wollen. Warum nicht? Und hat dieser Mix aus diesen positiven und negativen das zusammengefasst. hat uns so unwahrscheinlich mental, einstellungsmäßig dahin gemacht, wir jetzt stehen. Und das hätten wir vorher nie gemacht. Das war gar nicht so nachzudenken.
Thomas: Wenn du jetzt mal so bisschen ... ehrlich auf dich selber guckst ... oder beziehungsweise auf die Situation. Was ist denn trotzdem heute ... noch schwierig für euch? Also trotz des Erfolgs, ... den ihr jetzt in den letzten drei Jahren hattet.
Stefan: Du meinst, wir hätten aufs Geschäft bezogen?
Thomas: Geschäft oder Umfeld, so grundsätzlich. Also es ist ja nicht alles Heitel-Sonnen-Schein, würde ich mal sagen.
Stefan: Nein, das ist es nicht.
Thomas: das Leben hat Aufs und Abs und auch wenn man positiv denkt, ist es ja
Stefan: Ja.
Thomas: trotzdem in irgendeiner Form herausfordernd und schwierig.
Stefan: Ja, das stimmt schon. Schwierig ist natürlich, ja, weiß ich gar nicht, wie ich das jetzt sagen soll. Ich sag mal so, wenn du so Team hast, das ist so das, was ich immer so schwierig finde. Du hast mittlerweile ein großes Team, wir über 700 Teampartner oder fast 700 Teampartner. Und jetzt ist natürlich nicht jeder so eingestellt, wie wir das sind. So, das bedeutet einfach auch, du hast teilweise Menschen, die Dinge anders machen wollen, die vielleicht auch nicht so lernbereit sind, die aber... die erzählen, wo sie hin möchten, aber nicht bereit sind, zum Beispiel die Wege zu gehen, die dafür nötig sind. Dann haben wir auch so einen speziellen Fall leider in unserem Team, die dann dazu führt, dass du relativ viel Unruhe hast in der Gruppe oder in dem Team mit drin. Ansonsten muss ich sagen, Wir haben gelernt, wir im Team, wir müssen das Team halt wirklich supporten. Du musst halt immer für dein Team da sein. Was wir aber auch gemerkt haben, die Leute, es nicht wollen, die dir zwar sagen, sie würden es gerne wollen, aber nicht bereit sind, halt die Lernbereitschaft zu haben, einfach auch mal in der Wand kreuz zu sitzen, etc., zeigen dir halt dementsprechend auch relativ schnell, dass du es eigentlich doch gar nicht so richtig wollen. Da ist es wichtig, loslassen zu können. Das ist auch noch eine Herausforderung, weil auch gerade meine Frau da sehr, ich sag mal, die Mutti der Truppe ist, aber auch nicht so gut loslassen kann. Ich sag mal ganz klar, lassen ziehen, wenn sie wollen, dann kommen sie, wenn nicht, dann ist das halt einfach so. Schwierig manchmal.
Thomas: Du hast ihm erzählt, dass du dich heute sehr viel mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigst und du hinterfragst deine eigenen Gedanken viel stärker. Was würde der Stefan von vor zehn oder zwanzig Jahren über den Stefan von heute denken?
Stefan: ganz anderer Stefan. Was ist das für ein Stefan geworden?
Thomas: Würdest du dich wiedererkennen?
Stefan: Vor 10 Jahren habe ich in Nussau gelebt. Ich war damals eigentlich so, da war ich noch Vollblut Feuerwehrmann, also richtig Wurst Feuerwehrmann, Vollblut Wurst Feuerwehrmann. Und auch wenn ich da schon Leitstelle mit gesessen habe, war es trotzdem so mein Ding. Also ich hatte da wirklich Plan und ich hatte halt auch noch bei den Kollegen ein gutes Standing. Ich hatte eine tolle Nachbarschaft da in Nussau, wo ich gelebt habe. Das heißt, mein Nachbar, der Ingo, der hatte mir damals schon immer gesagt, du bist so ein Typ, du müsstest eigentlich irgendwas im Vertrieb machen, weil du bist so Verkäufer, sagt einmal zu mir. Und so habe ich mich damals gar nicht gesehen. Ja, reden kann er, aber Verkäufer, da habe ich mir überhaupt keinen Kopf drüber gemacht. Was macht ein Verkäufer überhaupt? Und ich war halt damals... Ich hab nicht gelesen. Wenn ich mir Buch gelesen habe, ich wollte mal Buch lesen, dann war das ein Buch über Feuerwehr oder Rettungsdienst oder war ein Krimi. Aber nichts über Persönlichkeitsentwicklung zum Beispiel. Und wenn ich dann angefangen hab zu lesen, dann hab ich so die ersten Zeilen gelesen, dann hab ich schon wieder so viele Gedankengänge gehabt, dass ich gar nicht mehr wusste, was hab ich überhaupt gelesen. Als ich unten angekommen bin bei der Seite, wusste ich schon gar nicht mehr, was überhaupt da Fase war. Und dann war ich meistens müde, bin ab das Buch zugemacht, bin ins Bett gegangen. Und das hätte ich... Also heute ist das so... Ich nehme mir so ein Buch und dann bin ich wirklich effektiv, ruhkonzentriert, total fokussiert dabei, ziehe mir da wirklich das Beste raus, markiere mir Stellen im Buch, etc. Und... Also vor zehn Jahren wäre das nicht so gewesen. Und ich denke mal, dass ich vor zehn Jahren, würde ich heute sagen, Respekt mein Freund, richtig tolle Entwicklung.
Thomas: gibt es denn Glaubenssätze von früher, die du heute komplett anders siehst?
Stefan: Also einer meiner Glaubenssätze war ja immer, dass man immer die Wahl hat. Es war nicht die Wahl, welcher Situation du jetzt gerade steckst, sondern du hast immer die Wahl, das Beste daraus zu machen. Das war ja auch damals schon so. War ja bei meinen Stiefeltern, bei meiner leiblichen Mutter als Kind war das ja auch schon so, dass man darüber nachgedacht hat, habe ich jetzt überhaupt eine andere Wahl. Aber ich wollte ja schon immer, also ich hatte ja auch damals... Wir hätten ja genau das Gleiche machen können wie unsere Mutter. Hat die jetzt Stichler keine Ahnung, was auch immer. Oder wir wären die total kriminellen Kinder geworden. Aber das wollten wir ja halt auch nicht. Also wir haben so ein Selbsterhaltungsstil, keine Ahnung. Du hast ja so eine Einstellung gehabt. Wahrscheinlich auch durch Oma und Opa damals aus Wagenfeld, die gesagt haben, ist richtig, was ist falsch. Dass man so bisschen das Gespül dafür bekommen hat. Und so war das halt so. Ich für mich immer gesagt habe, du hast halt immer die Wahl zu entscheiden, wie dein Tag verläuft. Und ist ja auch so. Ist ja auch heute noch so und den Spruch habe ich oder das habe ich auch immer mitgenommen.
Thomas: Gibt es denn trotzdem noch Sachen, die du heute lernen musst loszulassen oder anders drüber zu denken?
Stefan: Also ich sage mal, das denke ich ja. Tatsächlich ist das so eben. Was ich gemerkt habe, das fing aber auch schon an bei der Feuerwehr, als ich beim Rettungsassistentenlehrgang war, Menschen nicht gleich in Schubladen zu stecken. Das war so Ding, das konnte ich super. Damals, ich sollte zum Rettungsassistentenlehrgang gehen und dann hatte der Lehrerassistent gesagt, du fährst hier nochmal dem Kollegen Rase mit. Und das war für mich der arroganteste und total bekloppteste Typ, der dabei dieser Feuerwehr rumliegt. Und ich hab gesagt, was soll denn das? Was hab ich jetzt schon wieder falsch gemacht, dass dieser Vogel mit mir dahin fahren muss? Warum muss ich mich jetzt... Ein halbes Jahr mit diesen Typen rumhergegangen. Völlig daneben, weil so hab ich ihn im Dienst wahrgenommen. War noch nicht mal in Machabteilung, nur bei den Dienstübergaben oder sonst irgendwas. Aber während dieser Zeit in dieser Rettungsschule sind wir richtig dicke Freunde geworden. Also das war ganz anders als überhaupt. Also alles das, was ich so als vor eingenommen gesehen hatte, war überhaupt nicht. Und das muss ich lernen, das muss ich auch heute noch lernen teilweise. Das ist, man Menschen sieht und du denkst, aha, der tickt so und so. Klar, was man hat durch die Feuerwehr, durch das, was wir jetzt in diesem Business machen, du kriegst eine ganz andere Sicht auf die Menschen. Du hast halt eine relativ gute Menschenkenntnis schon durch deinen Job. Und du lernst es alleine noch mal anders kennen durch die Trainings, durch diese Persönlichkeitsentwicklung usw. Wie du Menschen wahrnehmen kannst, wie du sie lesen kannst, wie ... was die Menschen sagen, wie du das einordnen kannst. Und da muss ich aber noch viel lernen tatsächlich, das ist so mein Gruß-Dudu, da nochmal so ein bisschen ein Feinfühligern zu werden.
Thomas: Wenn jemand gerade zuhört,
Stefan: Vielen Dank.
Thomas: dem Moment vieles überhaupt nicht läuft, wie es laufen sollte, was würdest du dieser Person mitgeben wollen?
Stefan: Perspektive. Geht zurück, mach einmal kurz die Augen zu, fang nochmal von vorne an. So haben wir es immer bei der Flyware gemacht. einfach mal Perspektiven kurz wechseln.
Thomas: Die Antwort habe ich nicht gerechnet.
Stefan: Ja.
Thomas: Dann habe ich meine obligatorische Frage zum Ende einer Folge, wo wir jetzt auch langsam so hinkommen. Was sind deine drei goldenen Nuggets? Also die drei Dinge, die du jedem Menschen mitgeben würdest, der sein Leben verändern möchte.
Stefan: Erstmal, die Einstellung. Was du erwartest, erwarte dich. Das ist so ein Spruch, der mich sehr geprägt hat. Übrigens vor meinem Nachbarn Ingod damals, sie hat mir das mal gesagt. Und ganz, ganz wichtig, Einstellung ist tatsächlich sehr, sehr viel. Wenn ich nur negative Gedanken habe, kommt auch nur negatives in mein Leben, verändere ich meine Gedanken positiv, dann kommt halt das Positive. Und das ist auch wirklich so. Wenn ich was anfange, bleibt dran. Egal, was ich starte. Wirklich dranbleiben ist das Allerwichtigste. Ich erinnere mich immer an diese Comic-Zeichnung, wo einer versucht, mit der Spitzhacke Diamanten zu finden. Und kurz davor, du siehst schon in dem Bild, er braucht nur noch einmal zuschlagen, dann gibt er auf. Das ist so schade. Also wirklich dranbleiben ist die Essenz, damit du irgendwann dahin kommst, wo hin möchtest. Und sei einfach bereit, dazuzulernen. Das ist das A und O. Entwicklung passiert nur, wenn du bereit bist, was dazuzulernen. Und das habe ich mir so auf meine Pfade geschrieben, hätte ich fast gesagt, meine Pfade geschrieben. Weil das ist was mich jetzt so glücklich weitergebracht hat.
Thomas: zum Thema weiterbringen. Was erhoffst du in einem Jahr? Also wo siehst du dich in einem Jahr als Mann, als Ehemann, als Vater, Unternehmer, aber vor allen Dingen als Mensch?
Stefan: Also dann immer sehe ich mich erstmal in der nächsten Position. Also Ende Dezember möchte ich eigentlich schon die nächste Vertriebsstufe erreicht haben. Ich sehe mich, wir... Also ursprünglich hatten wir jetzt den Plan gehabt, zu gucken, gehen wir irgendwo ins Ausland, Auswandern war so ein Thema. Jetzt haben wir aber gesagt, warum wir haben hier eine super gute Infrastruktur und auch selbst wenn wir viel Steuern zahlen müssen, bedeutet das im Verkehrsschluss einfach nur, dass wir auch viel Geld verdient haben. Und da muss man sich halt auch dementsprechend mal... die Gedanken machen, wir haben hier eine super Infrastruktur, haben hier eine noch relativ gute medizinische Versorgung. Also ich sehe mich zwar nicht mehr hier in Salzgitter, aber irgendwo, es halt schön ist. Ich mag gerne so Berge, also vielleicht nicht so wirklich Berge, dass man mal mehr in den Süden von Deutschland geht und da mit der Familie lebt. Wir werden hier langsam flügge, also die Kinder ziehen alle aus, und jetzt sind wir natürlich mit diesem Riesenhaus auch so bisschen, naja, müssen wir mal gucken, was wir machen. Als Familien- oder Ehemann, wir werden sehr viel Zeit miteinander genießen. Ich werde mit meiner Frau sehr viel reisen wollen. Sofern das möglich ist, die Kinder in der Zeit die Hundeball beobachten oder beaufsichtigen. Dann würde das gehen. Das ist unser großes Ziel, was wir haben. Und natürlich das Leben wirklich gut genießen können. Jetzt ohne Sorgen, ohne Stress. Ein schönes Team aufbauen noch weiter. Also Unser Abweg ist noch lange nicht zu Ende und da arbeiten wir wie immer jeden Tag dran.
Thomas: Wenn der kleine Stefan, der irgendwann einmal gedacht hat, so will ich nicht leben, diese Podcastfolge hören könnte, was glaubst du, würde er über den Mann sagen, der du heute geworden bist?
Stefan: Ich hoffe ich werde so wie dieser Mann. Ja, weil es war ja damals wirklich eine wilde Zeit. Wenn man sich das jetzt... Ich, nach unserem Gespräch gestern, hab ich da auch mal so drüber nachgedacht, wie war es eigentlich damals jetzt so wirklich. Und wenn man da jetzt mal rückblickend draufguckt, wo ich jetzt heute stehe, der Weg, dazwischen lag, das ist ja doch eine wirklich sensationelle Entwicklung, persönliche Entwicklung, muss ich jetzt selber sagen zu mir. Und da kann man stolz auf sein. Also ich bin da sehr stolz auf, dass ich diesen Weg genommen habe. Gab ja zwei Richtungen. Ich hätte halt... die kriminelle Ecke nehmen können oder den Weg, den ich jetzt gemacht habe. Ich glaube, ich habe das richtig gemacht.
Thomas: würde ich jetzt auch mal so sagen. Stefan,
Stefan: Ja.
Thomas: vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir sind ein bisschen über der Zeit, aber ich hoffe, das wird dir verziehen. Ja, vielen
Stefan: Das ist völlig okay.
Thomas: lieben Dank, dass du da warst. Vielen lieben Dank, dass du deine Geschichte geteilt hast.
Stefan: Ich habe zu danken, dass ich sie erzählen durfte.
Thomas: Ich glaube, wir werden noch das ein oder andere Mal miteinander sprechen, glaube ich.
Stefan: Sehr gerne, es sehr freundlich.
Thomas: wenn dir diese Folge gefallen hat, dann lass gerne ein Like da, teile sie mit jemandem, für den Stefans Geschichte gerade genau richtig sein könnte und empfehle LeichtLos weiter. Damit hilfst du dabei, dass noch mehr Menschen auf diese Geschichten aufmerksam werden. Und vielleicht kennst du selbst jemanden, von dem du sagst, diese Geschichte sollte unbedingt einmal erzählt werden. Dann schick mir sehr gerne eine Nachricht. und empfiehle mir diese Person als Gast. Oder vielleicht sitzt du gerade selbst da und denkst, eigentlich hätte ich auch etwas zu erzählen. Dann melde dich sehr gerne bei mir. Denn bei LeichtLos geht es nicht darum, perfekt zu sein oder schon irgendwo angekommen zu sein. Es geht um Menschen, echte Wege und die Geschichten dazwischen. Danke, dass du heute dabei warst. Danke dir, Stefan. Und Wir hören und sehen uns in der nächsten Folge von LeichtLos. Bis dahin, macht's und geh deinen Weg!